Torwart mit Seeblick in Bremerhaven

Schleusenwärter feiern 20-Jähriges Bestehen der Schleuse am Neuen Hafen

Mehr als 5000 Schleusungen pro Jahr, Segelboote, Motorschiffe und Schlepper, rund 195.000 geschleuste Schiffe seit der Eröffnung – die Bilanz der Schleuse am Loschen-Leuchtturm kann sich sehen lassen. Am 7. Juli 2005 öffneten sich die Schleusentore als Zufahrt zum Neuen Hafen zum ersten Mal. Seitdem ist das 50 Meter lange und 14 Meter breite Bauwerk die wichtigste maritime Zufahrt zu den Havenwelten in Bremerhaven.

Ein Knopfdruck setzt 120 Tonnen Stahl in Bewegung

Mit einem einzigen Knopfdruck am Bildschirm setzt Uli Keller 120 Tonnen Stahl in Bewegung. Er öffnet die beiden Außentore der Schleuse. Wasser schießt von der Weser in die Schleusenkammer, hebt den Wasserstand langsam an. „Acht Grad Öffnung der Tore für den Wasseraustausch, mehr nicht. Ein kleiner Spalt reicht“, sagt der Schleusenwart mit mahnend erhobenem Finger. Er sitzt im Kontrollturm der Schleuse am Neuen Hafen, hat die Schiffsbewegungen auf der Weser und im Hafenbecken im Blick. In der Schleusenkammer liegt eine schicke Holzyacht, die in Richtung Helgoland ausschleusen will.

Hier wird mit dem Druck des Wassers gearbeitet

„Unsere Schleuse ist etwas ganz Besonderes“, ergänzt Frank Gieseler. Er ist aktuell Sprecher des insgesamt zehnköpfigen Wärterteams. „Die Tore sind wie Halbschalen geformt und fahren in einer Kreisbewegung zusammen. Andere Schleusen haben Tore, die seitlich eingezogen werden und der Wasserausgleich muss aufwändig über Pumpen erfolgen. Wir hingegen arbeiten mit dem Wasserdruck und lassen das Wasser durch eine leichte Toröffnung ein- und ausströmen – nachhaltiger geht es nicht.

Diese Technik ist auf der Welt beinahe einzigartig

Nur drei weitere solcher Schleusen gibt es in England und Frankreich. Ob die Schleusenwärter stolz darauf sind? „Auf jeden Fall“, nicken die beiden Männer in ihren weißen Polo-Shirts sofort. Stolz sind sie auch auf das gute Verhältnis zu den Skippern und Schiffsführern. Tatsächlich haben Segler dem Team sogar schon ein Transparent überreicht: „Hier werden Sie vom besten und freundlichsten Schleusenteam Deutschlands betreut.“ Die 12-Meter-Yacht in der Schleusenkammer setzt sich nun in Bewegung. Uli Keller hat inzwischen das Schleusentor komplett geöffnet. Der Wasserstand zwischen Weser und Schleuse ist ausgeglichen.

„Der Ton hier ist freundlich, aber bestimmt. Wir müssen ja den Betrieb reibungslos am Laufen halten. Wenn einer trödelt oder an der falschen Stelle in der Schleusenkammer angelegt, dann kriegt er über die Lautsprecher schon mal ein Kommando – oder direkt von oben über die Brüstung“, lacht Frank Gieseler. Schon knackt und rauscht es im Funkgerät. Ein Motorboot ist in der Anfahrt auf der Weser und will noch in die Schleuse, bevor Uli Keller die Tore wieder schließt. Drei Segelboote sind schon weserseitig eingefahren und warten in der Kammer auf das Einschleusen in den Neuen Hafen.

Das Fernglas gehört noch zur Ausrüstung

„Wo seid ihr denn?“, fragt Uli Keller über Funk. Frank Gieseler sucht mit dem Fernglas die Weser ab. „Ich sehe ihn, da hinten, der Lütte. Der soll mal den Hebel auf den Tisch legen.“ Übersetzt in der Seemannssprache: „Der Kleine“ soll „Gas geben“. Von sechs Uhr morgens bis 22 Uhr abends ist der Schleusentower am Neuen Hafen in der Hauptsaison besetzt. Die Schleusenwärter sind zumeist Ruheständler, die aus der Seefahrt kommen. Als finanziellen Ausgleich gibt es monatlich 556 Euro.

„Uns geht es vor allem um die Freude am Job, um die See, die Schiffe und die Menschen darauf“, erzählt Frank Gieseler. Erlebnisse hatten die Schleusenwärter schon reichlich. Das reicht vom Kajakfahrer ohne Funk oder Telefon, der von der Weser aus per Handzeichen eingeschleust wurde, bis zum Stand-Up-Paddler, der vom Neuen Hafen ausschleusen wollte. „Dem habe ich dann aber gesagt, er soll bitte sein Board in die Hand nehmen und eben über den Deich rüber zur Weser gehen“, grinst Uli Keller. „Das Schleusen hier ist zwar kostenlos, aber es müssen auch Grenzen gesetzt werden.“

Selbst die große „Alexander von Humboldt II“ wurde geschleust

Grenzen getestet hat der ehemalige Schleusenwärter Peter Burhorn, der auch Kapitän des Dreimasters „Alexander vom Humboldt“ war. „Peter hat es tatsächlich geschafft, die 65 Meter lange „Alex“ hier in die eigentlich 50 Meter lange Schleuse zu bekommen“, erzählt Frank Gieseler. Was klingt wie Seemannsgarn hat eine technische Erklärung. Die Schleuse am Neuen Hafen verfügt weserseitig über zwei zusätzliche Tore, die bei einer Sturmflut als Deichschutz zugefahren werden können.

„Damit sind wir dann bei 62,5 Meter Gesamtlänge für die Schleuse, und Peter hat noch dazu den hohen Wasserstand ausgenutzt. So lag die „Alexander von Humboldt II“ hier praktisch millimetergenau in der Schleuse mit dem Bug am vorderen Schleusentor und hat mit dem Bugspriet vorne rüber in den Neuen Hafen geragt“, sind die beiden Schleusenwärter heute noch fasziniert.

Zur SAiL wird es wieder voll werden

Als nächstes Großereignis steht den Schleusenwärtern den SAiL 2025 bevor. Vom 13. bis 17. August werden rund 250 Segel- und Motorschiffe in Bremerhaven erwartet. „Da wird neben der Kaiser- und der Nordschleuse auch jede Menge über unsere Schleuse gehen. Es war eine kluge Entscheidung, vor 20 Jahren hier die 25 Millionen Euro in den Schleusenbauzu investieren – allein schon wegen der Sportboot-Marina, die es seitdem ebenfalls hier im Neuen Hafen gibt“, nickt Frank Gieseler. Sein Kollege tippt ihm auf die Schulter. „Da kommt er.“  Das angekündigte Motorboot fährt in die Schleuse. Uli Keller drückt am Bildschirm auf die Schaltfläche für die Schleusentore. „Dann wollen wir mal wieder – Tore zu.“

Auf einen Blick:

Feierlichkeiten zum 20. Geburtstag der Schleuse Neuer Hafen

Sonnabend, 12. Juli 2025, 11 bis 16 Uhr

11.00 Uhr           maritime Live-Musik von Jan-Hendrik Ehlers

11.15 Uhr           kleine Geburtstagsansprachen und Interviews

12.00 Uhr           Live-Musik vom singenden Schleusenwärter Uli Keller

13.00 Uhr           Maritime Live-Musik

16.00 Uhr           Ende der Veranstaltung

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