Erster Schritt für die 3D-Dokumentation der Bremer Weserlastkähne

Credit: DSM / Annica Müllenberg

Die historischen Bremer Weserlastkähne aus dem 17. Jahrhundert haben nach 19 Jahren ihren Standort gewechselt, um zeitgemäß in 3D dokumentiert zu werden. Forschende des Deutschen Schifffahrtsmuseums (DSM) bereiteten im Juli über mehrere Tage mehr als 400 Holzkomponenten der beiden Lastkähne für den Transport vor. Die Teile wurden „markiert, fotografiert, fachgerecht verpackt“ und anschließend zur Fachfirma Denkmal3D nach Vechta gebracht.

Unter wissenschaftlicher Aufsicht von Dr. Mike Belasus vom Niedersächsischen Institut für historische Küstenforschung erhielten die Holzkomponenten zunächst eine reversible Kennzeichnung und wurden systematisch inventarisiert. Danach folgte eine umfassende fotografische Dokumentation. Diese bildet die Grundlage für die nun anstehende digitale 3D‑Vermessung und die wissenschaftliche Auswertung.

Dr. Mike Belasus (Mitte) und Dr. Ferderic Theis (rechts) sichten die Holzkompontenten.
Credit: DSM / Annica Müllenberg

Nach ihrer Ankunft in Vechta wurden die Hölzer in vorbereitete Frischwasserbecken gelegt, um eine konservatorisch geeignete Zwischenlagerung sicherzustellen. Inzwischen ist das Dokumentationslabor eingerichtet, und die Arbeiten an den Schiffsteilen haben begonnen. Vor dem Scannen mit einem Streifenlichtscanner werden die Hölzer gereinigt, damit „alle Details in der Aufnahme sichtbar“ werden. Parallel dazu nehmen Fachleute Proben von Abdichtungsmaterialien, möglichen Farbresten und weiteren erhaltenen Stoffen. Diese können Hinweise auf Bau- und Wirtschaftsweisen der historischen Schiffbauer liefern. Ablagerungen zwischen den Komponenten könnten zudem Aufschluss über frühere Ladungen geben. Dendrochronologische Proben sollen Informationen über Alter, Nutzungsdauer und Herkunft der verwendeten Bäume liefern.

Dr. Belasus wird die detaillierte Erfassung und Dokumentation der Holzkomponenten bis Jahresende abschließen. Die erhobenen Daten bilden die Grundlage für eine interdisziplinäre Auswertung nach internationalen Standards der Schifffahrtsarchäologie. Die hochauflösende 3D‑Vermessung soll einen wichtigen Beitrag zur Erforschung und langfristigen Sicherung dieses maritimen Kulturguts leisten.

Die Ergebnisse der Untersuchungen werden nach Abschluss der Arbeiten öffentlich präsentiert. Das DSM kooperiert dabei mit mehreren nationalen und internationalen Partnern, darunter das Niedersächsische Institut für historische Küstenforschung, Denkmal3D, die School of Mechanical and Materials Engineering des University College Dublin sowie die Landesarchäologie Bremen. Das Projekt wird durch die Kulturstiftung der Länder sowie die Karin und Uwe Hollweg Stiftung gefördert.

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