16.000 Kilometer bis zur SAiL

 „Wir haben keine Zeit für Jetlag“, sagt Petra Hay (72) aus Australien. Zusammen mit ihrem Mann Mark (66) ist sie aus der 16.000 Kilometer entfernten Metropole Sydney zur SAiL 2025 in Bremerhaven angereist. Etwas mehr als 25 Stunden dauerte die Flugreise nach Deutschland. Die Eheleute sind riesige SAiL-Fans. Deswegen haben sie auch nicht einen Moment gezögert, die anstrengende Reise anzutreten. Weil Mark Hay viele Jahre als Flugbegleiter gearbeitet hat, kennt er die Strapazen. „Man gewöhnt sich ein bisschen daran“, sagt er.

2010 war Petra Hay zum ersten Mal beim größten Windjammerfestival an der Nordseeküste zu Gast. Das Bild, was ihr von damals in Erinnerung geblieben ist, war der bewegende Moment, wie die „Gorch Fock“ mit neuen, jungen Rekruten an Bord den Liegeplatz verließ und deren Eltern ihnen hinterher winkten. Das hatte bei ihr einen bleibenden Eindruck hinterlassen. „So etwas habe ich noch nie gesehen – so viele riesige und unterschiedliche Schiffe auf einmal“, sagt sie begeistert. Zu jener Zeit war sie zu Besuch bei einer Freundin, die sie auf das Festival aufmerksam gemacht hatte. „Ich bin dann dorthin und dachte‚ das ist ja wahnsinnig schön‘“, erzählt  sie. Sie hat den ganzen Tag am Hafen verbracht. Zuvor sei ihr die SAiL komplett unbekannt gewesen. Ein Foto zeigt sie 15 Jahre später vor dem berühmten Opernhaus in Sidney mit dem SAiL-Maskottchen „Jonathan“ und einem (abwaschbaren) SAiL-Tattoo am linken Unterarm – bestellt im Souvenir-Shop der Erlebnis Bremerhaven GmbH.

Petra Hay folgt in Australien der SAiL

Nachdem Petra Hay „Blut geleckt“ hatte, war schnell klar, dass es nicht bei diesem einen Besuch in Bremerhaven bleiben sollte. Auch 2020 war der Trip von Sidney bereits fest gebucht und die Vorfreude groß, bis die Corona-Pandemie ihnen einen Strich durch die Rechnung machte. Das Paar musste deswegen wie viele Andere weitere fünf Jahre warten. Petra Hay verpasste keine Nachricht aus Bremerhaven, sie folgt der SAiL bei Facebook und Instagram. Umso größer ist jetzt die Freude. „Wir sind endlich da“, sagt Petra zufrieden. Zu ihren Highlights gehören die älter aussehenden Schiffe wie die „Galeón Andalucía“, aber auch die „Gorch Fock“. „Ich war sehr happy, sie zu sehen – weil die ja auch immer in Hamburg war“, sagt sie.

Petra Hay ist in Finkenwerder, einem Stadtteil von Hamburg, geboren. 1973 ist die damals 20-Jährige nach Australien ausgewandert. Inzwischen lebt sie seit 52 Jahren dort. Doch die Verbindung nach Deutschland ist nie abgebrochen. Die SAiL ist ein Grund für einen Besuch, aber die Familie ist ebenso wichtig. „Wenn wir die Familie hier besuchen, dann zur Zeit der SAiL“, sagt die 72-Jährige. Auch nutzen sie die Zeit, um weitere Familienmitglieder außerhalb von Deutschland zu besuchen. Es geht unter anderem nach Manchester, wo ihr Sohn lebt.

Bis zum Winter in Europa unterwegs

Erst Anfang November kehren Petra und Mark Hay zurück nach Australien. „Wir fliegen wieder zurück, bevor es kalt wird“, sagt Petra Hay lachend. In der Vergangenheit sind die beiden schon mal länger geblieben, um die Weihnachtsmärkte mitzuerleben, die sie in Australien mitunter vermisst. „Manchmal sehe ich hier Gebäude, die älter sind als Australien“, stellt Ehemann Mark fest. Dafür punktet Australien mit wunderschönen Stränden. „Wenn man Australien und Deutschland vereinen könnte – das wäre schön“, sagen die Eheleute.

Die Begeisterung für Segelschiffe hat in der Familie eine lange Tradition. Im Jahr 1949 segelte Brian Hay, der Vater von Mark, mit der „Passat“ von Australien nach Europa. „Wir haben viele Fotos von der „Passat“ zu Hause, und mein Vater hat gerne davon erzählt“, sagt er. Es war die letzte Weizenregatta – ein Rennen, bei dem das Getreide so schnell wie möglich nach Europa gebracht werden sollte. Die Hays besitzen noch einen Zeitschriftenartikel aus dem Jahr 1949, der die Fahrt mit Bildern dokumentiert. Sie verlief über das Kap Hoorn bis nach England und dem Sieger winkten Ruhm und Ehre. Mit Brian Hay an Bord gewann die „Passat“ das letzte Rennen.

Die Brücke Dreibergen muss für den motorisierten Verkehr gesperrt und durch einen Neubau ersetzt werden.

Ab Montag, dem 18. August 2025, wird die im Wulsdorfer Ortsteil Dreibergen gelegene Brücke zwischen Buddestraße und Daimlerstraße für den motorisierten Verkehr vollständig gesperrt.

Fußgänger und Radfahrer können die Brücke vorerst weiterhin nutzen. Die Rampen der Brücke bleiben hingegen für alle Verkehrsteilnehmenden befahrbar.

„Grund für die Sperrung ist ein gravierender Bauschaden, der im Rahmen der Brückenhauptprüfung 2021 festgestellt und seitdem intensiv untersucht und beobachtet wurde“, erklärt Stadtrat Maximilian Charlet, Dezernent für den Baubereich, die drastische Maßnahme. Eine vertiefte Schadensanalyse habe jetzt ergeben, dass während des Baus in den 1960er-Jahren – aus ungeklärter Ursache und ohne Planvermerk – ein Kunststoffrohr in den Beton eingebaut wurde. Dieses Rohr habe über Jahrzehnte Wasser in den Bereich der vorgespannten Betonplatte geleitet und erhebliche Korrosionsschäden an der Bewehrung verursacht, so Charlet.

Die betroffenen Spannglieder sind nach Aussage der Experten zentral für die Tragfähigkeit des Bauwerks. Ihr Zustand ließe sich ohne zerstörende Eingriffe aber nicht zuverlässig überprüfen. „Auch wenn diese Entscheidung eine Einschränkung für die Verkehre im Stadtteil bedeutet: Sicherheit hat oberste Priorität. Daher haben wir uns diese Woche mit Blick auf das Alter der Brücke und vor dem Hintergrund vergleichbarer Schadensereignisse, wie den Einsturz der Dresdener Carolabrücke vor knapp einem Jahr, dazu entschieden, die Brücke aus Gründen der Verkehrssicherheit für alle Kraftfahrzeuge zu sperren“, so der Baudezernent, der aber betont, dass keine akute Gefahr für den Bahnverkehr oder beim Überqueren der Brücke besteht.

„Mein ausdrücklicher Dank gilt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Amtes für Straßen- und Brückenbau, welche vor Ort jeden Tag ihr Bestes geben, um unsere Brücken und Straßen mit begrenzten Haushaltsmitteln instand zu halten“, so Charlet.

Die Brücke Dreibergen – eine zweifeldrige Spannbetonbrücke mit einer Gesamtlänge von rund 30 Metern und einer Breite von 12 Metern – wurde ursprünglich 1913 durch die Bahn errichtet und von der Bahn 1963/64 im Zuge der Elektrifizierung erneuert. Seitdem befindet sie sich im Eigentum der Stadt Bremerhaven. Sie überführt die Straße Dreibergen über die dreigleisige Bahnstrecke Bremen–Bremerhaven-Seehafen.

Ein weiteres Ergebnis der vertieften Schadensanalyse ist, dass das Bauwerk als nicht mehr wirtschaftlich instandsetzungsfähig eingestuft wird und folglich durch einen Neubau ersetzt werden muss. „Die Vorbereitung der Vergabe der Planungsleistungen für den Abriss läuft bereits“, so Charlet. Der Rückbau des Überbaus sei für das Jahr 2026 vorgesehen, parallel beginne die Planung für den Ersatzneubau.

Aufgrund der komplexen Abstimmungen mit der Deutschen Bahn und der erforderlichen Sperrpausen im Bahnverkehr muss damit gerechnet werden, dass mindestens drei bis vier Jahre vergehen, bevor eine neue Brücke wieder für den motorisierten Verkehr freigegeben werden kann.

SAiL 2025: Natur-Kunstwerk „Beedabei“ Sonntag auf der Seebäderkaje

Aus 246 bienenfreundlichen bepflanzten Blumenkästen wird auf der Seebäderkaje ein Kunstwerk geformt – und anschließend verschenkt. Foto: Beedabei

Direkt neben dem Zoo am Meer wird zur SAiL 2025 ein Zeichen für den Artenschutz gesetzt. Das europaweite Kunst- und Umweltprojekt „Beedabei“ will dort mit 246 bienenfreundlich bepflanzten gelben Pflanzkästen ein Segelschiff aus Blumen formen. Die von dem Künstler Peter H. Kalb signierten Boxen werden anschließend an die Besucherinnen und Besucher verschenkt.

„Ein Kunstwerk, dass sich auflöst und überall in der Stadt auf Balkonen und in Gärten weiterblüht“, erläutert Mitinitiatorin Gisela M. Bartulec die Idee. Ihr Bestreben: Kunst und Natur zu einem Statement für Umweltschutz, Bienenfreundlichkeit und soziale Zusammenarbeit zu vereinen.

„Die SAiL Bremerhaven 2025 unterstützt Beedabei sehr gerne, unsere Besucher mit einem sonnengelben Blumenkasten und Bienenfutterpflanzen zu beschenken“, sagt Michael Gerber, Geschäftsführer der Erlebnis Bremerhaven GmbH. „Das Projekt gefällt uns als ausgezeichneter Standort für nachhaltigen und barrierefreien Tourismus schon deshalb, weil auch in unserer Nachbarschaft am Hafen Bienen zuhause sind und am Deich ihr Futter finden. Die Idee ist einfach toll, deshalb haben wir gerne zugesagt, bei der SAiL dabeizusein.“

Das Motiv: Natürlich ein Segelschiff

Das Projekt ist 2019 aus einem Ideenwettbewerb im Rahmen der Bewerbung Nürnbergs zur Europäischen Kulturhauptstadt hervorgegangen. Seither haben ähnliche Aktionen mit regionalen Motiven in zahlreichen deutschen Städten, in Luxemburg, der Ukraine und sogar in Äthiopien stattgefunden.  Bei der SAiL wird das Motiv des Segelschiffs aufgegriffen, der Bug wird durch einen Europastern geformt.  Bartulec: „Er steht für das gemeinsame Handeln über Landesgrenzen hinweg und erinnert daran, dass der Schutz von Bestäubern ein gesamteuropäisches Anliegen ist.“

Um die Wildbienen ist es wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge schlecht bestellt. Das, so die Naturschutzorganisation BUND, sei „das erschreckende Resultat von industrieller Landwirtschaft und Zersiedelung der Landschaft durch den Menschen“. Von den über 550 in Deutschland beheimateten Wildbienenarten sind laut Roter Liste mittlerweile 31 vom Aussterben bedroht, 197 gefährdet und 42 Arten stehen auf der Vorwarnliste.“  Auch der Einsatz von Pestiziden und der Klimawandel würden dazu beitragen, dass Bestäuber wie Bienen, Hummeln oder Schmetterlinge immer weniger Lebensraum finden.

Besucher können Pflanzkästen mit nach Hause nehmen

In Bremerhaven wird das Naturkunstwerk „Beedabei“ am finalen Tag der SAiL 2025, am Sonntag, 17. August, auf der Seebäderkaje aufgebaut. Ab 16.30 Uhr können die Bienenfutterstellen dann von den Besuchern mit nach Hause genommen werden.

Veranstaltungsleiter der SAiL fuhr auf der „Gorch Fock“

Der Mann weiß wovon er spricht. Wenn die „Gorch Fock“ Bremerhaven zur SAiL 2025 anläuft, dann wird Michael Gerber als Veranstaltungsleiter des internationalen Windjammerfestivals gewissermaßen von der Vergangenheit eingeholt. Und von den Bildern, die sich ihm vor über 40 Jahren als jungen Wehrpflichtigen in das Gedächtnis eingraben haben: Unter Vollzeug durch die Biskaya, begleitet von einem Schwarm Delfine.

Ausguck auf der Back, der morgendliche Hängemattenapell, die Arbeiten als Toppgast im Fockmast des Segelschulschiffs, die Taufe „Wendekreis des Krebses“, die große Aufmerksamkeit, die man in seiner weißen Ausgehuniform von den Menschen in allen Hafenstädten erfahren hat – das ist es, was ihn noch heute beschäftigt.

Als Geschäftsführer der Erlebnis Bremerhaven GmbH ist Gerber schon längst zur Landratte geworden, doch während seiner neun Monate als Wehrdienstleistender hat er auf der „Gorch Fock“ ein feines Gefühl dafür entwickelt, was die Faszination vieler Menschen von den Windjammern ausmacht. Aber auch dafür, wie der oftmals harte Alltag hinter den schönen Bildern aussieht.

Mit Wurzelbürste und Scheuerpulver an Deck

Beim Hervorkramen der Devotionalien seiner jugendlichen Affäre mit der Segelschifffahrt wurde das alles wieder lebendig. Der nasskalte Januartag, als er 1984 in Kiel mit 20 Jahren zum ersten Mal das Deck der „Gorch Fock“ betrat. Eine Wurzelbürste und Scheuerpulver bekam er in die Hand gedrückt: als allererste Tätigkeit durfte er mit dem eisigen Wasser aus der Kieler Förde die Farbe an den Aufbauten „waschen“. Aber Gerber bewies schon bald ein Talent für die Arbeit in großer Höhe. Die Abwesenheit von Höhenangst verschaffte ihm die dafür nötige Sicherheit. „Als Toppsgast und Teil der Backboard I-Crew habe ich am Fockmast ausschließlich im Rigg gearbeitet“, erzählt er, „gerne in großer Höhe.“ Gesichert mit zwei Tampen an Karabinerhaken.

Crewaustausch mit der „Sagres II“

Und dann ging es im April 1984 los, von Kiel durch den Nord-Ostsee-Kanal nach Teneriffa, über den Atlantik in die Karibik zum Inselstaat Antigua, Richtung Norden nach Boston und Quebec. Von Quebec nach Sydney (Nova Scotia) hatte Gerber zusammen mit einigen Kameraden die Möglichkeit, im Rahmen eines Crewtausches eine knappe Woche auf der „Sagres II“ mitzusegeln. „Auf der, Gorch Fock‘ mussten wir in unseren Dienstschuhen peinlich genau darauf achten, mit den Hacken keine schwarzen Striche auf dem Deck zu hinterlassen. Auf der Sagres II haben sie an Deck Fußball gespielt.“ Das portugiesische Schwesterschiff der „Gorch Fock“ wird ebenfalls bei der SAiL zu Gast sein und im Neuen Hafen festmachen. Ein weiteres Dejá vu für den Erlebnis-Chef.

Beinahe wäre es ein Schmetterling geworden – als Tattoo

Gut vier Monate und 13.430 Seemeilen später lief die „Gorch Fock“ über Nova Scotia, Liverpool, Skagerrak und Kattegat wieder in den Heimathafen Kiel ein. Gerber hat in dieser Zeit die nicht unbedingt seemännischen, gleichwohl klassischen Erfahrungen einer langen Seefahrt gemacht. Zum Beispiel, wie man im Bordell in Antigua auch ohne Inanspruchnahme von Liebesdiensten noch ein paar Drinks bekam, wenn die Hotelbars schon lange geschlossen hatten. Beinahe hätte er sich sogar ein Tattoo stechen lassen, einen Schmetterling. Aufgrund der Teilnahme an einer Parade am letzten Tag stand für den Tätowierer am Ende nicht mehr genügend Zeit für das Motiv zur Verfügung.

Sänger der Bordband

Als Sänger der Bordband gehörte es für Gerber zur Routine, vor dem Auftritt noch eine filterlose Zigarette zu rauchen und einen Cognac zu kippen, damit die Stimme das richtige Timbre bekam. „Wir haben unter Deck zwischen Klorollen und Reinigungsmitteln geprobt“ berichtet er. Doch mit den klassischen Shanties habe die Band nichts am Hut gehabt. Stattdessen gehörten Stücke von Westernhagen zum Repertoire. „Mitten auf dem Atlantik ohne Wind ist die Crew froh über jede Abwechslung und wird zu einem dankbaren Publikum, das mitsingt und Spaß hat“, erinnert sich Gerber lachend.

Gerber: Die „Gorch Fock“ ist kein Feriencamp

Die schönen Erinnerungen und die Romantik sind eine Seite der Medaille. „Man darf aber nicht vergessen, dass das Segelschulschiff ,Gorch Fock‘ eine schwimmende militärische Einheit ist“, sagt Gerber. „Die Leute sind nicht alle aus freien Stücken dort. Das ist kein Feriencamp. Und angesichts fehlender Rückzugsmöglichkeiten, nach Dienstschluss das Schiff auf hoher See nicht verlassen zu können, kommt es auf engstem Raum auch zu allen Formen zwischenmenschlicher Auseinandersetzungen.“

„Hand gegen Koje“

Die See und die Segelschifffahrt ließen den gebürtigen Hamburger auch nach seiner Zeit bei der Marine nicht los. Als Student in Bayreuth (Wirtschafts-Geografie und Regional-Ökonomie) heuerte er während der Semesterferien nach dem Prinzip „Hand gegen Koje“ auf der „Thor Heyerdahl“ an. Er wirkte daran mit, dass Trainees des Schiffes an Bord Selbstständigkeit und Verantwortung für andere zu übernehmen lernen. Gerber lernte dort seine spätere Frau kennen.

Als Gastgeber des größten Windjammertreffens an der deutschen Nordseeküste ist solch eine Biografie natürlich schwer zu toppen. Und wer weiß? Vielleicht zieht es den Veranstaltungsleiter in den nächsten Tagen ja doch noch einmal nach ganz oben. In die Masten der „Gorch Fock“. Da wo alles begann.

Sonderzüge, Sonder-Parkplätze, mehr Busse: So läuft die Anreise zur SAiL

Verkehrsunternehmen bieten zum Windjammertreffen zusätzliche Verkehre an

53° 32‘ 45‘‘ N 008° 34‘ 48‘‘ E – das sind die Koordinaten für die Bremerhavener Stadtmitte und vom 13. bis 17. August Ziel für das internationale Windjammertreffen SAiL 2025. Erwartet werden 250 Schiffe aus 16 Nationen, kleine Yachten genauso wie imposante Vollschiffe und: insgesamt bis zu 1,2 Millionen Besucher. Mit diesen Tipps läuft die Anreise.

„Wir empfehlen unseren Besuchern generell, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen“, sagt Michael Gerber, Geschäftsführer der Erlebnis Bremerhaven GmbH, die die SAiL im Auftrag der Stadt ausrichtet. Mit dem eigenen Auto bis in die Innenstadt zu fahren, davon rät Gerber ab.

Bahnverkehr:

Die EVB stellt für den gesamten Zeitraum der SAiL zusätzliche Züge über Bremerhaven von und nach Cuxhaven sowie Bremervörde zur Verfügung. „Sei klug, komm mit dem Zug“, titelt dazu die EVB. Um 0.03 Uhr und 1.03 Uhr fahren Sonderzüge von Bremerhaven in Richtung Cuxhaven, um 1.08 Uhr in Richtung Bremervörde. http://www.evb-elbe-weser.de/aktuelle_meldungen/evb-bahn-mit-den-zuegen-der-evb-zur-sail-2025-in-bremerhaven

Die Nordwestbahn NWB meldet mehrere Sonderfahrten für die Regio-S-Bahnen von und nach Bremerhaven, so etwa Mittwoch und Donnerstag um 0 Uhr vom Hauptbahnhof in Richtung Bremen, Samstagnachmittag/-abend fahren in beide Richtungen insgesamt sieben Sonderzüge. http://www.nordwestbahn.de/de/regio-s-bahn/freizeit/sail-bremerhaven

Die Deutsche Bahn setzt am Freitag und Sonnabend um 23.24 Uhr sowie um 1.24 Uhr ab Bremerhaven-Lehe Regional-Express Sonderzüge ein, die um 0:02 oder 2.02 Uhr in Bremen am Hauptbahnhof enden.

Alle Bahn-Unternehmen kündigen zudem an, die Züge zu verlängern oder mehr Doppelstockwagen einzusetzen.

Park+Ride:

Im südlichen Fischereihafen stehen in Kooperation mit Bremerhaven Bus mehrere Park+Ride-Parkplätze zur Verfügung. „Viele Flächen unseres P+R haben wir dem Engagement von Unternehmen zu verdanken, die uns Teile ihrer Betriebsflächen zur Verfügung stellen“, sagt Gerber. Die Anfahrt zu den Parkplätzen ist an der A27 ab der Autobahn-Abfahrt Bremerhaven-Süd ausgeschildert. Park-Ride-Flächen stehen auch in Blexen zur Verfügung, das spezielle SAiL-Ticket für Parkplatz und Shuttle-Busse gibt es ab 4 Euro pro Person. https://bremerhavenbus.de/fahrplaene-linien

Busse:

Bremerhaven Bus hat eigens für die SAiL Bremerhaven 2025 einen Sonderfahrplan gestrickt, die meisten Linien fahren in einem 10-Minuten-Takt, in der Nacht zu Sonntag sogar bis 1 Uhr.

Weserfähre:

Die Weserfähre verkehrt zwischen Nordenham (Blexen) und Bremerhaven von Mittwoch, 13. August, bis Samstag, 16. August tagsüber im 20-Minuten-Takt. Abends und nachts gibt es zusätzliche Abfahrten, nach dem Feuerwerk legt die letzte Fähre um 0.20 Uhr in Bremerhaven ab. http://www.weserfaehre.de

Fahrräder:

Der SAiL-Fahrrad-Parkplatz wurde auf dem Grundstück des Alten Finanzamtes (Columbusstraße / Ecke Keilstraße) angelegt. Platz ist für rund 500 Fahrräder. Der Parkplatz ist kostenlos, wird aber auch nicht überwacht.

Wohnmobilplätze:

Im Stadtgebiet ist die Zahl der Wohnmobilplätze mehr als verdoppelt worden. Gut 500 stehen zur Verfügung. 250 Plätze hat der „Wohnmobilhafen“ zusätzlich an der Riedemannstraße eingerichtet. Info über „Wohnmobilhafen“: +49 172 6586491

Reisebusse:

Für die Anreise per Bus werden zusätzlich zu den bekannten Stellplätzen mehr als 100 kostenlose Sonderparkplätze eingerichtet im Bereich der früheren SSW-Werft. Ideal für den Besuch der SAiL: Das Bus-Terminal mit Haltepunkten zum Ein- und Aussteigen der Fahrgäste liegt zentral am Veranstaltungsgelände im Bereich der Columbusstraße.

Anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Deutschen Auswandererhauses hat Oberbürgermeister Melf Grantz der Einrichtung im Namen des Magistrats die herzlichsten Glückwünsche ausgesprochen und ihre große Bedeutung für die Stadt hervorgehoben.

„Das Deutsche Auswandererhaus ist ein echter Glücksfall für Bremerhaven“, betonte der Oberbürgermeister. „Kaum eine andere Institution hat unsere Stadt national wie international so positiv geprägt und zugleich ein historisches Kapitel auf so eindrucksvolle Weise erlebbar gemacht.“

Seit seiner Eröffnung im Jahr 2005 zieht das Museum jährlich zahlreiche Besucherinnen und Besucher in die Seestadt. Bereits zwei Jahre nach seiner Eröffnung wurde das Deutsche Auswandererhaus mit dem renommierten Titel „Europäisches Museum des Jahres 2007“ ausgezeichnet – ein Meilenstein, der die hohe Qualität des Ausstellungskonzepts und die visionäre Gestaltung unterstreiche, so Grantz.

„Es hätte keinen besseren Ort für dieses Haus geben können als Bremerhaven“, so der OB weiter. „Von hier aus haben mehr als sieben Millionen Menschen ihre Reise in ein neues Leben begonnen. Diese Geschichten, Hoffnungen und Herausforderungen werden im Deutschen Auswandererhaus auf eindrucksvolle Weise lebendig gehalten.“

Besonderes Lob sprach Grantz der konzeptionellen Erweiterung der Ausstellung aus, mit der das Museum nicht nur die Geschichten von Auswandernden, sondern auch die Erfahrungen von Einwanderinnen und Einwanderern ins Zentrum rückt. „Gerade in der heutigen Zeit ist es ein wichtiges Zeichen, dass das Deutsche Auswandererhaus den Blick weitet und Migration in all ihren Facetten würdigt. Es gibt Menschen eine Stimme, deren Geschichte bislang zu oft unbeachtet blieb.“

Ein besonderer Dank des Oberbürgermeisters gilt dem Hamburger Architekturbüro Andreas Heller Architects & Designers, das sowohl die äußere als auch die innere Gestalt des Museums entwarf. „Andreas Heller und sein Team haben mit großem Mut und gestalterischer Kraft ein innovatives Museumskonzept entwickelt, das den Menschen und seine Erfahrungen nicht als Randnotiz, sondern als Mittelpunkt der Geschichte und ihrer Vermittlung begreift. Dafür gebührt ihnen große Anerkennung.“

Zugleich würdigte Grantz auch die Museumsleiterin Dr. Simone Blaschka: „Sie führt das Haus mit Weitblick und einem klaren Gespür für gesellschaftliche Relevanz. Ihr und dem gesamten Team danke ich herzlich für ihren unermüdlichen Einsatz und wünsche alles Gute für die Zukunft.“

Mit einer festlichen Eröffnungsfeier ist am Donnerstag, dem 7. August 2025, der kirchPARK, die neue Parkanlage hinter der Großen Kirche, offiziell eingeweiht worden.

Gruppenfoto von vier Personen vor einem Schild des kirchPARK, umgeben von einer frisch gestalteten Parklandschaft mit Bepflanzungen und modernen Sitzgelegenheiten.
©Magistratspressestelle / Arnd Hartmann

Oberbürgermeister Melf Grantz eröffnete gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Verwaltung und interessierten Bürgerinnen und Bürgern die neue grüne Oase im Herzen der Stadt.

Nach dem offiziellen Teil wurde der kirchPARK mit einem bunten Rahmenprogramm – unter anderem Kinderschminken und Mitmachaktionen – für die Allgemeinheit geöffnet. Zahlreiche Gäste nutzten die Gelegenheit und nahmen den neu gestalteten Park in Augenschein.

Der Oberbürgermeister zeigte sich begeistert über das Ergebnis der monatelangen Umgestaltung, die sowohl im Zeit- als auch im Kostenrahmen geblieben war: „Der kirchPARK zeigt, wie wir städtischen Raum neu denken und lebenswert gestalten können. Mit dieser grünen Oase schaffen wir ein attraktives Stück Lebensqualität mitten in unserer Innenstadt – für Familien, für Erholungssuchende, für alle Generationen. Es ist ein Ort der Begegnung, der Natur und der Zukunft.“ Grantz bezeichnete den kirchPARK als „Vorgeschmack“ auf das, was mit dem Bau des NOVO auf dem ehemaligen Karstadt-Areal in unmittelbarer Nachbarschaft entstehen werde: „Wir entwickeln unsere Innenstadt nach und nach zu einem Anziehungspunkt für alle Menschen, und damit natürlich auch zu einem attraktiven Standort für den Einzelhandel.“

Verantwortlich für die Planung und Umsetzung der neuen Park- und Spielanlage war Landschaftsarchitekt Markus Lüsse vom Gartenbauamt. Das Ergebnis seiner Arbeit verbindet moderne Stadtentwicklung mit ökologischer Aufwertung: Entsiegelte Flächen, vielfältige Bepflanzungen und neue Baumstandorte tragen zur Verbesserung des Stadtklimas bei. Gleichzeitig laden kreative Spiel- und Bewegungsangebote sowie gemütliche Aufenthaltsbereiche zum Verweilen ein.

Neugestalteter kirchPARK mit Spielplatz, blauen Spielgeräten und grüner Landschaftsgestaltung in der Innenstadt.
Blick auf den neuen kirchPARK in der Innenstadt im August 2025 kurz vor der Eröffnung. ©Magistratspressestelle / Arnd Hartmann

Ein Höhepunkt für viele Kinder war bereits am Eröffnungstag der neue Spielplatz mit dem blauen Fisch als zentrales Element – ein farbenfroher und fantasievoller Spielbereich, der großen Anklang fand. Stadträtin Mandy Kathe-Heppner, Dezernentin für das Gartenbauamt, unterstrich den besonderen Charakter des Projekts: „Der Spielplatz mit dem blauen Fisch als zentrales Gestaltungselement ist ein echter Hingucker und wird schnell zum Lieblingsort vieler Kinder werden. Uns war wichtig, einen inklusiven, kreativen und naturnahen Raum für Spiel und Bewegung zu schaffen – ein Treffpunkt für Jung und Alt.“

Das Projekt wurde im Rahmen des Bundesprogramms „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“ (ZIZ) umgesetzt. Viele der heutigen Parkelemente gehen auf Vorschläge aus einem vorangegangenen Bürgerbeteiligungsprozess zurück – ein weiteres Zeichen dafür, wie gemeinschaftliche Stadtentwicklung in Bremerhaven gelingt.

Am Rande des Parks wird es in Zukunft auch eine moderne Mobilitätsstation an der Ecke Prager Straße/Mühlenstraße geben. Diese umfasst u. a. abschließbare Fahrradboxen, eine Reparaturstation, Schließfächer sowie vier Car-Sharing-Stellplätze – ein zukunftsweisender Baustein nachhaltiger Mobilität in der Innenstadt. Stadtrat Maximilian Charlet, Dezernent für den Baubereich und das Stadtplanungsamt, teilte mit, dass der Planungsprozess für die Mobilitätsstation an der Großen Kirche abgeschlossen sei: „Das Bauordnungsamt hat gemeinsam mit dem Stadtplanungsamt und dem Amt für Straßen- und Brückenbau eine optimierte Variante für eine Mobilitätsstation erarbeitet. Entwickelt wurde ein modulares Baukastensystem, so dass die Station an zukünftigen Bedürfnissen angepasst und ebenfalls an anderen Standorten umgesetzt werden kann. Durch eine schnelle Vor-Ort-Montage der vorgefertigten Elemente können wir die Belastung, die eine Baustelle mit sich bringt, sehr gering halten“, so Charlet. Es sei beabsichtigt, die Mobilitätsstation zum Start der Fahrradsaison 2026 in Betrieb nehmen zu können.

Mit der Eröffnung des kirchPARK stehen ab sofort auch die Parkplätze hinter der Großen Kirche wieder zur Verfügung, nachdem die Fläche während der achtmonatigen Bauzeit als Materiallager diente.

Kampagne wirbt für Bremerhaven-Besuch

Aktion lädt zum Wiederentdecken der Attraktionen nach der SAiL ein

Nach dem maritimen Großereignis der SAiL Bremerhaven 2025 geht das Erlebnis in der Seestadt nahtlos weiter: Mit der Kampagne „Komm mal wieder – Vier Häuser, ein Erlebnis“ laden die Attraktionen in der Innenstadt Einheimische und Gäste dazu ein, die faszinierende Vielfalt Bremerhavens neu zu entdecken – und das weit über die SAiL hinaus.

Ermäßigung beim nächsten Besuch

Rund 1,2 Millionen Gäste werden zur SAiL vom 13. bis 17. August in Bremerhaven erwartet – ein idealer Rahmen, um die sogenannten Leuchttürme rund um den Alten und Neuen Hafen ins Rampenlicht zu rücken. Im Zentrum der Aktion stehen Postkarten, gestaltet von Greta Bukowski, die in Hotels ausgelegt und während der SAiL aktiv verteilt werden. Ein besonderes Extra macht die Aktion noch interessanter: Wer den abtrennbaren Rabatt-Schnipsel der Postkarte aufbewahrt, erhält 20 Prozent Ermäßigung beim Besuch der vier beteiligten Einrichtungen – und zwar ab 1. September bis Ende März 2026. So wird der Sommerbesuch der SAiL zur Einladung für einen weiteren Aufenthalt im Winter.

Begleitet wird die Kampagne durch eine gezielte Social-Media- und Pressearbeit, die Lust macht auf Entdeckungen in der eigenen Stadt oder beim nächsten Aufenthalt in Bremerhaven. Die vier Erlebnisorte im Überblick:

  • Deutsches Schifffahrtsmuseum – Seefahrtsgeschichte multimedial, interaktiv und wissenschaftlich fundiert erleben.
  • Deutsches Auswandererhaus – bewegende Auswanderungsgeschichten hautnah und emotional nachempfinden.
  • Klimahaus Bremerhaven – auf Weltreise entlang des achten Längengrads durch Klimazonen, Kulturen und Kontinente.
  • Zoo am Meer – tierische Begegnungen mit Eisbären, Robben & Co. direkt an der Nordseeküste.

Projektleiterin Sonja Riegert sagt: „Mit dem Motto ‚Komm mal wieder‘ sprechen wir nicht nur ehemalige Gäste an, sondern laden auch neue Besucher:innen herzlich ein, die vier Häuser kennenzulernen. Unsere Havenwelten stehen für ganzjährige Erlebnisse, die bleiben – weit über die SAiL hinaus.“

Weitere Informationen zur Kampagne:
www.bremerhaven.de/komm-mal-wieder

Auf der Zielgeraden: Das Tall Ships Race ist im Hafen von Esbjerg in Dänemark zu Ende gegangen. Von dort nehmen die schönsten Schiffe am Sonnabend Kurs auf die SAiL Bremerhaven 2025.

Das internationale Windjammerfestival startet am Mittwoch, 13. August, auf der Weser mit der großen Einlaufparade SAiL-In, zu der sich annähernd 60 Großsegler angemeldet haben. Die „Gorch Fock“ mit dem Bundespräsidenten an Bord wird die gemeinsam einlaufenden Schiffe in Empfang nehmen und nach Bremerhaven geleiten. Insgesamt werden mehr als 100 teilnehmende Schiffe für die Parade erwartet.

250 große und kleine Schiffe werden erwartet

Die Regattaserie ist in Esbjerg als fünften Hafen der STI-Rennen zu Ende gegangen, zuvor waren seit Anfang Juli Le Havre, Dünkirchen, Aberdeen und Kristiansand Stationen. Nach dem Ende der Wettbewerbe geht es für die größten Segler weiter nach Bremerhaven, wo sie auf zahlreiche andere Schiffe treffen, die den direkten Weg zur SAiL genommen haben. Insgesamt werden vom 13. bis 17. August in Bremerhaven rund 250 große und kleine Schiffe festmachen.

Segler liegen bereits im Hafen

Ein Sturm hat auf der letzten Regatta-Etappe von Norwegen nach Dänemark noch dafür gesorgt, den Kurs zu ändern und die Flotte beinahe zwei Tage früher als geplant in den Hafen zu bringen. Schon seit Montag liegen die Segler in Esbjerg. Aber erst ab heute dürfen die Besucher dort das Volksfest besuchen. Vorher blieb der Hafen geschlossen, weil der Aufbau noch nicht abgeschlossen war.

Von Dänemark machen sich auf den Weg nach Bremerhaven: Die „Alexander von Humboldt II“, „Union“, „Capitan Miranda“, „Dar Mlodziezy“, „Sagres II“, „Shabab Oman II“, „Thalassa“, „Corsaro II“, „Urania“, „Esprit“, „Milpat“ und „Pascual Flores“

Künstler Jens Carstensen erweckt den vergessenen Klang der Stadt zu neuem Leben

Mit einem Typhon-Konzert wird bei der SAiL Bremerhaven 2025 der zunehmend in Vergessenheit geratene Sound der Stadt zu neuem Leben erweckt. Schiffshörner haben dem Klangraum der Seestadt über Jahrzehnte hinweg eine unverwechselbare Atmosphäre verliehen. Mit einer einzigartigen Klanginstallation lässt der Bremerhavener Musiker und Künstler Jens Carstensen diese Zeit von einem 12 Meter hohen Turmgerüst auf der südlichen Geestemole wieder aufleben.

Carstensen ist Experte für Stadtklänge und ungewöhnliche Konzerte an noch ungewöhnlicheren Orten. In diesem Fall greift er auf Aufnahmen zurück, die er in den Jahren 2004 und 2005 gesammelt hat. Mehr als 100 Schiffe haben ihre Typhone seinerzeit extra für die Aufnahmen erklingen lassen. Darunter so legendäre Schiffe wie die „Queen Elizabeth II“, die alte „Europa“ und die „Maxim Gorki“. Aber auch jede Menge Handels- und Behördenschiffe. In einem Klangarchiv wurden diese Aufnahmen nach Reedereien und Schiffsgrößen gespeichert. Jetzt dienen sie als Material für eine mehrstimmig orchestrierte Komposition.

Diese Klänge gehören zu Bremerhaven

„Schiffshörner funktionieren in erster Linie ja nicht nach harmonischen musikalischen Gesetzen“, sagt Carstensen. „Sie folgen einer technischen Logik.“ Dieses Spiel mit Klängen, die nicht in eine Tonleiter passen, sie aufzunehmen und klanglich zu gestalten, sei für ihn eine spannende Herausforderung gewesen.  „Für mich hat diese Klangwelt etwas Spezifisches, das ich nur in Bremerhaven finden kann.“

Der Morsecode ist bis heute gebräuchlich

Strukturiert werden die Kompositionen, die während der SAiL vom 13. bis 17. August täglich zwischen 11 und 22 Uhr erklingen, auf Grundlage des bis heute in der Seefahrt gebräuchlichen Morsecodes. Es handelt sich dabei um ein Verfahren zur Übermittlung von Buchstaben und Zeichen, das auf den Symbolen Punkt, Strich und Pause basiert. Das wohl berühmteste Morsezeichen („Kurz, kurz, kurz – lang, lang, lang – kurz, kurz, kurz“) steht für das SOS in der Seefahrt.  Es lassen sich damit aber auch Worte und ganze Sätze bilden.

Schiffshörner morsen kleine Botschaften

Die Schiffshörner sind in diesem Fall also die Lautgeber für kleine Botschaften, die Seefahrer aus aller Welt in der Stadt hinterlassen haben. Carstensen hat dafür die Gästebücher der Bremerhavener Seemannsmission über einen Zeitraum von zehn Jahren durchforstet und Einträge in zumeist englischer Sprache gefunden, die weit über reine Danksagungen hinausgehen.  Ein Beispiel in der Übersetzung: „Nur ein kleiner Moment der Stille, um darüber nachzudenken, wofür wir in der Welt sind“. Oder: „Wenn du keine Risiken eingehst, kannst du die Zukunft nicht gestalten“. Und schließlich: „Bleib menschlich gegenüber dem Unsichtbaren“.

Der historische Sound kehrt zur SAiL zurück

„Als Junge wurde ich morgens zum Aufstehen regelmäßig vom Klang eines Typhons begleitet“, beschreibt Carstensen eine Inspiration für das Projekt. „Es tutete stadtweit hörbar zum Schichtbeginn auf der Lloyd Werft und war für mich die Versicherung, pünktlich den Weg zur Schule anzutreten.“ Mit der zunehmenden Industrialisierung des Hafens und dem Einsatz von alternativen Ortungssystemen verschwanden die Signale von Typhonen. Nur immer dann, wenn ein Kreuzfahrtschiff von der Columbuskaje ablegt, sind sie noch zu hören. 

Nun kehrt der historische Sound der Stadt also für die Tage der SAiL in seinen ursprünglichen Klangraum zurück. Carstensen: „Als ein klingendes Vermächtnis für die Stadt Bremerhaven.“