Maritimes Denkmal mit großer Zukunftsvision

Ein Stück deutscher Leuchtturmgeschichte mitten in Bremerhaven: André Kroboth, Leuchtturm-Botschafter des Warnemünder Leuchtturms, besuchte jetzt den haventurm als erhaltenen Turmkopf des ehemaligen Leuchtturms Großer Vogelsand auf dem Gelände des havenhostel Bremerhaven.

Gemeinsam mit Volker Siemers erhielt Kroboth von Jens Grotelüschen, Geschäftsführer des havenhostel und Vorsitzender des Fördervereins Maritimer Denkmalschutz e. V., einen besonderen Einblick in die Geschichte, Technik und Zukunft dieses außergewöhnlichen maritimen Denkmals.

Schon die Dimensionen des erhaltenen Turmkopfes hinterließen Eindruck: Rund 15 Meter hoch und breit, vier Geschosse und etwa 300 Tonnen Stahl machen deutlich, welche technische Leistung hinter dem einstigen Leuchtturm in der Elbmündung stand.

„Auf Bildern wirkt er bereits gewaltig, doch wenn man direkt davorsteht, werden seine Dimensionen noch viel eindrucksvoller“, beschreibt André Kroboth seinen ersten Eindruck.

Einer der modernsten Leuchttürme seiner Zeit

Der Große Vogelsand wurde 1973/1974 errichtet und galt mit Baukosten von rund 15 Millionen D-Mark als einer der teuerste und modernste Leuchttürme Deutschlands. Rund 39 Meter über der Wasserlinie erhob sich das Bauwerk einst über der gefährlichen Sandbank Großer Vogelsand in der Elbmündung.

Der Leuchtturm war für seine Zeit technisch außergewöhnlich ausgestattet. Mehrere Präzisionssektorenfeuer, eine Drehoptik und eine Gürtellinse machten ihn gleichzeitig zum Leit-, Warn- und Orientierungsfeuer für die Schifffahrt. Bei Nebel sorgten mächtige Nebelhörner für zusätzliche Sicherheit.

Der der Turm verfügte über großzügige Unterkünfte für Wartungspersonal, Sanitärbereiche sowie Räumlichkeiten, die im Notfall auch Schiffbrüchigen Schutz bieten konnten. Die elektrische und Wärmeversorgung wurde durch drei Blockheizkraftwerke sichergestellt. Der Turm hatte als einziger Deutscher Leuchtturm einen Hubschrauberlandeplatz, der dem Turm die spezielle Silouette gibt.

1998 wurde das Leuchtfeuer außer Betrieb genommen. Statt jedoch vollständig verschrottet zu werden, konnte zumindest der gewaltige Turmkopf gerettet werden. Seit 2010 befindet er sich in Bremerhaven auf dem Gelände des havenhostel.

Geschichte wird in den leeren Räumen wieder lebendig

Von der ursprünglichen Inneneinrichtung ist heute nur noch wenig erhalten. Doch während des Rundgangs vermittelten Jens Grotelüschen und Volker Siemers, der die Rettung und Dokumentation des Turmkopfes von Beginn an begleitet hat, einen Eindruck davon, wie das Leben und die Technik im Großen Vogelsand einst ausgesehen haben.

Vom ehemaligen Maschinenraum über die Unterkünfte bis zu den Bereichen der Leuchtfeuertechnik erschloss sich Etage für Etage die Geschichte des Bauwerks.

Besonders eindrucksvoll war für Kroboth der Aufstieg bis auf das ehemalige Hubschrauberlandedeck in rund 15 Metern Höhe. Dort sind bis heute Teile der technischen Einrichtungen zu erkennen – darunter Komponenten des aufwendigen Brandlöschsystems, das für mögliche Zwischenfälle bei Hubschrauberlandungen vorgesehen war.

„Durch die Erzählungen von Jens und Vossi erwachten die leeren Räume Stück für Stück wieder zum Leben“, berichtet Kroboth.

Vom Großen Vogelsand zum „haventurm“

Doch bei dem Besuch ging es nicht nur um die Vergangenheit. Im Fokus stand auch die Frage, wie dieses einzigartige maritime Denkmal für kommende Generationen erhalten und wieder erlebbar gemacht werden kann.

Die Vision des Fördervereins Maritimer Denkmalschutz ist ambitioniert: Der erhaltene Turmkopf soll langfristig wieder auf einen neu errichteten Schaft gesetzt werden. Als rund 39 Meter hoher „haventurm“ könnte das historische Bauwerk damit annähernd zu seiner ursprünglichen Höhe zurückfinden.

Geplant ist, den Turm nicht nur als Denkmal zu erhalten, sondern ihn für Menschen zugänglich zu machen. Denkbar sind eine Aussichtsplattform mit Blick über Bremerhaven und die Wesermündung, Ausstellungsflächen zur Geschichte der Leuchttürme und der maritimen Navigation sowie eine Erlebnisgastronomie.

„Unser Ziel ist nicht, den Großen Vogelsand einfach nur zu konservieren“, sagt Jens Grotelüschen. „Wir möchten seine Geschichte wieder sichtbar und erlebbar machen. Dieser Turmkopf ist ein außergewöhnliches Zeugnis deutscher Leuchtturm- und Schifffahrtsgeschichte. Die Vorstellung, ihn eines Tages wieder in seiner ursprünglichen Dimension erleben zu können, treibt uns an.“

Gleichzeitig ist allen Beteiligten bewusst, welche Herausforderungen mit einem solchen Projekt verbunden sind. Einen rund 300 Tonnen schweren historischen Turmkopf auf einen neuen Schaft zu setzen und anschließend dauerhaft und sicher für Besucher zugänglich zu machen, erfordert erhebliche technische, organisatorische und finanzielle Anstrengungen.

„Ein Leuchtturm, der auf sein zweites Leben wartet“

Für André Kroboth war der Besuch deshalb weit mehr als die Besichtigung eines stillgelegten Leuchtturms.

„Für mich war es eine unglaubliche Besichtigung eines ehemaligen Leuchtturms, der bereits vor der Verschrottung gerettet wurde und nun auf sein zweites Leben wartet“, fasst er seine Eindrücke zusammen. „Es bleibt sehr spannend, wie die Geschichte dieses wundervollen Leuchtturms weitergeht.“

Mit dem geplanten haventurm könnte aus dem geretteten Stück Technikgeschichte künftig ein neuer maritimer Anziehungspunkt für Bremerhaven entstehen – und zugleich ein weithin sichtbares Zeichen dafür, dass maritime Geschichte nicht nur bewahrt, sondern auch neu erzählt werden kann.

Der Große Vogelsand in Zahlen

•             Baujahr: 1973/1974

•             Ursprüngliche Turmhöhe: ca. 39 Meter über der Wasserlinie

•             Feuerhöhe: 39 Meter

•             Reichweite: weiß 19 bis 26 Seemeilen, rot 9 bis 12 Seemeilen

•             Außerdienststellung des Leuchtfeuers: 1998

•             Turmkopf in Bremerhaven: seit 2010

•             Gewicht des erhaltenen Turmkopfes: ca. 300 Tonnen

•             Höhe und Breite des Turmkopfes:jeweils ca. 15 Meter

•             Baukosten: rund 15 Millionen D-Mark

•             Besonderheit: Der Große Vogelsand galt zu seiner Zeit als einer der teuersten und modernsten Leuchttürme Deutschlands.

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