Bremerhaven konnte im Tourismusjahr 2024 nicht an den Erfolg des Vorjahres anknüpfen. Die Zahlen für das vergangene Jahr hat das Statistische Landesamt veröffentlicht. Demnach sank die Zahl der Übernachtungen in der Stadt gegenüber dem Vorjahr um 4 Prozent. Die Zahl der Ankünfte sank um 6,3 Prozent. „Wir haben uns natürlich mehr erhofft“, sagt Oberbürgermeister Melf Grantz. Denn Bremerhaven habe große Potenziale im Städte- wie im Kreuzfahrttourismus. Insbesondere der neue Betreiber des Kreuzfahrtterminals verspreche mehr Anläufe in 2025. Der Aufsichtsratsvorsitzende der Erlebnis Bremerhaven GmbH ist auch wegen der SAiL sicher: „2025 wird deutlich besser werden.“
Ein schwieriges Jahr
Die Aufholjagd nach den beiden Corona-Jahren ist vorerst abgebremst. 429.540 Menschen aus dem In- und Ausland haben im vergangenen Jahr die Beherbergungsbetriebe der Seestadt zur Übernachtung genutzt. Sie blieben annähernd zwei Tage, dieser Wert ist seit Jahren stabil. Entsprechend beläuft sich die Zahl der Ankünfte auf 231.024 Menschen. Zum Vergleich: Im bisherigen Rekordjahr 2019 notierten die Statistiker 465.252 Übernachtungen und 252.683 Ankünfte. Diese Zahlen waren 2023 annähernd wieder erreicht worden.
Je nach Übernachtungsart zeigen sich deutliche Unterschiede. Die Hotels waren schlechter gebucht als im Vorjahr. Mit einer Auslastung von 37, 4 Prozent wurde – abgesehen von den beiden Corona-Jahren – der niedrigste Wert der vergangenen zehn Jahre erreicht.
Dem stand im Bereich der Ferienwohnungen und des Campings ein Plus von 18,9 % bei den Ankünften gegenüber. Zu diesem Sektor wird laut Statistischem Landesamt auch das (Seemanns-)heim gezählt. Für die beiden von der Erlebnis Bremerhaven GmbH betriebenen Reisemobilstellplätze kann ein ähnliches gutes Jahr wie 2023 bilanziert werden. 22.436 Übernachtungen wurden an den Stellplätzen am Fischkai und an der Doppelschleuse notiert. Zwischen Mai und Oktober waren die Plätze beinahe durchgehend ausgebucht.
Michael Gerber ist seit April 2024 Geschäftsführer der Erlebnis Bremerhaven GmbH, der kommunalen Gesellschaft für Tourismus, Veranstaltungen und Marketing, und er hat bereits festgestellt. „Das Verhalten der Touristen hat sich geändert, unsere Gäste sind preisbewusster.“ Das habe sich auch bei den rund 4,9 Millionen Tagesgästen in der Stadt gezeigt. Und festzustellen sei das auch im Bereich der Geschäftsreisenden, sagt Piet Rothe, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga. „Wir haben die Verluste im Geschäftsreisebereich nicht touristisch kompensieren können“, sagt Gerber.
Grantz betont: „Es fehlt in der Stadt ein preisbewusstes Angebot für junge Reisende, Familien und Gruppen. Das Jugendgästehaus, das seinerzeit für 60.000 Übernachtungen in diesem Bereich gesorgt habe, fehle in Bremerhaven. „Wir werden deshalb ein neues Angebot für diese Zielgruppe etablieren“, so Grantz. Insbesondere für die Bustouristik, ein Markt der derzeit in Bremerhaven unterrepräsentiert sei, wäre das wichtig. Überhaupt brauche es Bewegung im Übernachtungssektor. „Die Zahl der zusätzlichen Hotelbetten steigt beispielsweise in Bremen stetig an. Wir brauchen auch in Bremerhaven weitere Hotels, um als Standort attraktiv zu bleiben“, so der Oberbürgermeister.
Wie eng die Tourismuszahlen in Bremerhaven auch mit dem niedersächsischen Küstertourismus zusammenhängen, zeigte sich bereits im ersten Halbjahr 2024. In jedem der ersten sechs Monate des Jahres verzeichnete die niedersächsische Nordseeküste einen spürbaren Rückgang der Gästezahlen im Vergleich zum sehr guten Jahr 2023.
Bei der Aufenthaltsdauer der Besucher mache sich auch die Schwäche der Innenstadt bemerkbar, sagt Gerber: „Zu den zentralen touristischen Qualitäten von Reisezielen zählt noch immer das Shopping-Erlebnis.“ Grantz ergänzt: „Das zeigt einmal mehr wie wichtig und richtig unsere Investitionen und Planungen für eine Neuausrichtung der Innenstadt sind.“ Das sei auch für Bremerhaven als Reiseziel von Bedeutung, vervollständigt Gerber.
Hervorragende Zahlen zum Jahresende
Bei den Buchungen im Bremerhavener Reisejahr 2024 waren nur zwei Monate erfolgreicher als im Vorjahr, erst zum Jahresende hat eine Aufholjagd eingesetzt. „Im November und Dezember lagen die Buchungszahlen deutlich über dem Vorjahr“, sagt Gerber. Der Bremerhavener Weihnachtsmarkt sei inzwischen Ziel für auswärtige Gäste, vor allem aber sei das Plus von 14,4 % im Dezember bei den Ankünften auf die inzwischen ganzjährig stattfindenden Abfahrten von Kreuzfahrtschiffen zurückzuführen. Allein im Dezember wurden am Kreuzfahrtterminal in Bremerhaven mehr als 20.000 Urlauber abgefertigt. „Viele Passagiere reisen einen Tag früher an und übernachten in der Stadt“, sagt Rothe. Der Kreuzreisemarkt sei für Bremerhaven von großer Bedeutung. Das spiegele sich auch in den Zahlen bei Ankünften und Übernachtungen. Am Kreuzfahrtterminal wurden 2024 rund 30.000 Urlauber weniger gezählt als im Vorjahr.
Positive Entwicklungen bei internationalen Gästezahlen
Bei den internationalen Gästezahlen konnte Bremerhaven trotz des leichten Rückgangs stabile Ergebnisse erzielen. Mit 21.477 Ankünften aus dem Ausland muss zwar ein Rückgang von 7 Prozent notiert werden im Vergleich zum Vorjahr, aber dafür blieben die, die kamen, länger in der Stadt: 46.876 Übernachtungen bedeuten einen Rückgang von nur einem Prozent. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer lag bei 2,2 Tagen.
Besonders hervorzuheben sind die Trends aus den einzelnen Quellmärkten:
- Der niederländische Markt blieb mit 3.165 Ankünften und einem Rückgang von 4,4 % im Vergleich zum Vorjahr stabil. Die Zahl der Übernachtungen stieg jedoch um 4,8 % auf 6.086.
- Aus Dänemark kamen 2024 insgesamt 1.999 Gäste nach Bremerhaven, was einem minimalen Rückgang von 0,3 % entspricht. Die Zahl der Übernachtungen sank um 7 % auf 3.694.
- Besonders hervorzuheben sind die Zahlen aus den USA: Die Ankünfte gingen zwar um 4,6 % zurück (1.484), aber die Zahl der Übernachtungen stieg um beeindruckende 35,5 % auf 6.226. Mit einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von 4,2 Tagen erreichten die USA einen Spitzenwert. Dies zeigt sich besonders durch die Wirkung des US-Advisory Boards, das im Herbst 2024 in der Seestadt stattfand. Das Event für die US-Reisebranche trägt dazu bei, Bremerhaven als wichtiges Ziel für amerikanische Reisende zu positionieren.
- Polen ist seit 2023 ein neuer Markt für Bremerhaven, der aktiv bearbeitet wird. Die Ankünfte aus Polen stiegen um 16,4 % auf 1.430, auch die Übernachtungen legten um 29,3 % auf 3.279 zu.
Erlebnis Bremerhaven GmbH stärkt den Vertrieb
Untätig waren die Touristiker 2024 nicht. Sie warben in Kooperationen wie der Tourismus Agentur Nordsee (Tano) für die Seestadt und waren auf Messen im In- und Ausland aktiv mit ihren attraktiven Kernthemen Wissens- und Erlebniswelten, Fischerlebnis und Hafenerlebnis. Gerber kündigt aber Umstrukturierungen an: „Wir werden unseren Vertrieb ausbauen und wollen stärker als bisher das Bus- und Gruppenreisegeschäft für Bremerhaven beleben.“ Einen weiteren Schwerpunkt legt er auf die stärkere Entwicklung Bremerhavens als Reiseziel jenseits von Großveranstaltungen wie den Maritimen Tage oder der SAiL alle fünf Jahre. Gerber: „Unsere Destination muss noch bekannter werden. Wir wollen mehr Menschen für Bremerhaven begeistern.“ Mit den Einnahmen aus der Citytax seien verlässliche Voraussetzungen geschaffen, kräftig die Werbetrommel für Bremerhaven zu rühren.
Auch wenn die Bilanz für 2024 nicht gut sei, so arbeite das Team der Stadtmarketing- und Tourismusgesellschaft aber engagiert an einer neuen Ausrichtung, mehr Gäste in die Stadt zu holen, so Grantz. „Wir sind stetig dabei, unsere Arbeit zu hinterfragen und die Erlebnis Bremerhaven ist auf einem guten Weg“, so Grantz. Außerdem erhalte die Erlebnis Bremerhaven GmbH einen eigenen Internet-Auftritt für die touristische Präsenz der Stadt.
Grantz und Gerber sind überzeugt, dass die Zahlen für 2025 deutlich besser ausfallen werden – nicht zuletzt auch wegen der SAiL vom 13. bis 17. August und den erwarteten 1,2 Millionen Besuchern in der Stadt. „Die Hotels sind bereits nahezu ausgebucht“, sagt Rothe. Das Fazit von Grantz und Gerber fällt deshalb auch positiv aus: „Ein tolles Jahr liegt vor uns.“
Bild: Anna Ściwiarska Erlebnis Bremerhaven
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