Exklusiv: Bremerhavener Tafel vor Schließung – Mitarbeiter berichten von Missständen und Unterschlagungen

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Bremerhaven – Die geplante Schließung der Bremerhavener Tafel sorgt weiterhin für Diskussionen. Radio Bremerhaven hatte bereits über die bevorstehende Schließung berichtet. Nun wurden der Redaktion weitere Informationen von Mitarbeitern der Tafel übermittelt, die ein anderes Bild der Situation zeichnen.

Demnach sollen innerhalb der Tafel sowohl organisatorische als auch personelle Probleme bestanden haben. Mitarbeiter berichteten unter anderem über:

Ungeeignete Führung: Die neue Tafelleitung soll in ihrer Position mangelnde Empathie gezeigt haben und für die Anforderungen der Arbeit bei der Tafel nicht geeignet gewesen sein.

Unterschlagung von Spenden: Es gibt Hinweise darauf, dass gespendete Waren, unter anderem von Baumärkten wie Obi, nicht korrekt an Bedürftige ausgegeben wurden. Einige Waren sollen verkauft oder privat genutzt worden sein, wie zum Beispiel Lebensmittel von „Hello Fresh“. Spenden kamen teilweise bei Bedürftigen gar nicht an, sondern wurden von Fahrern privat zu Hause ausgeladen. Den Personen, die vergeblich auf die Lebensmittel warteten, wurde auf Nachfrage gesagt, es stünden keine Fahrer für die Auslieferung zur Verfügung.

Fehlende Kontrolle und Sicherheitsmängel: Mitarbeiter berichteten von unsachgemäßen Arbeitsbedingungen, beispielsweise beim Transport von Lebensmitteln, und von Fällen, in denen Fahrer gesundheitlich eingeschränkt eingesetzt wurden.

Probleme mit arbeitsrechtlichen Maßnahmen: Ein ehemaliger Mitarbeiter schilderte, dass Abmahnungen und Kündigungen teils unter fragwürdigen Umständen erfolgten und der Betriebsrat involviert war. Außerdem gab es Fälle von Mobbing nach Meldungen über sexuelle Belästigung.

Kritik an der AWO: Mitarbeiter äußerten, dass die AWO, unter deren Trägerschaft die Tafel arbeitet, selbst für viele der Missstände verantwortlich sei. So sollen beispielsweise Projekte mit dem Jobcenter finanziell zu Gunsten der AWO auf Kosten der Steuerzahler ausgenutzt worden sein, während die Tafel zusätzlich Miete für Räumlichkeiten an die AWO in nicht unbeträchtlicher Höhe zahlen musste. Es wird von einem komplexen System berichtet, in dem Fördergelder und Gehälter größtenteils über die AWO laufen.

Die Aussagen der Mitarbeiter werfen Fragen darüber auf, ob die Schließung allein auf infrastrukturelle Probleme – wie die Verfügbarkeit des Kühlhauses – zurückzuführen sind. Die Vorwürfe, die Radio Bremerhaven erreicht haben, deuten auf tiefere organisatorische und finanzielle Probleme innerhalb der Bremerhavener Tafel und der AWO hin.

Vor dem Hintergrund dieser Berichte stellt sich die Frage, welche der genannten Missstände tatsächlich eine Rolle für die bevorstehende Schließung der Bremerhavener Tafel spielen und welche Gründe bislang möglicherweise nicht öffentlich thematisiert wurden.

(Anm. der Redaktion: Die Aussagen der Mitarbeiter und diesbezügliche Dokumente liegen Radio Bremerhaven vor.)

1,34 Millionen Menschen besuchen die SAiL Bremerhaven

Nun liegen auch die letzten Daten vor: Insgesamt haben 1,34 Millionen Menschen die SAiL Bremerhaven 2025 besucht.  Ermittelt wurden die Besucherzahlen erstmals mit einer neuartigen Messmethode, die die Besucherströme rund um den Neuen und Alten Hafen, am Weserdeich und in der Bremerhavener Innenstadt auch künftig aufzeichnen soll.

Erstmals ist bei der SAiL eine neue Messtechnik eingesetzt worden: Mit dem System Ariadne wurden die Besucherströme anhand anonymer Mobilfunksignale erfasst. „Wir müssen nicht mehr wie bisher schätzen oder hochrechnen, sondern bekommen belastbare Zahlen“, sagt Michael Gerber, Geschäftsführer der Erlebnis Bremerhaven GmbH. Das System wurde noch rechtzeitig einen Tag vor dem Start des internationalen Windjammerfestivals installiert. „Den tatsächlichen Besucherzahlen können wir uns so deutlich annähern“, sagt Gerber. Eine geringe Ungenauigkeit bleibt, weil nur Personen gezählt werden, die ein Handy dabeihaben. „Kleine Kinder sind also vermutlich nicht dabei“, so Gerber. In Deutschland besitzt nahezu jeder Mensch mindestens ein Mobiltelefon, oft sogar mehr.

Nach der Auswertung der Messtechnik bewegten sich zwischen dem 13. und 17. August rund 1,34 Millionen Menschenin der Innenstadt sowie rund um den Alten und Neuen Hafen. Im Schnitt blieb jeder Besucher 3,2 Stunden und war in Gruppen von knapp drei Personen unterwegs. Besucherstärkster Tag der SAiL war demnach der Sonnabend mit mehr als 360.000 Menschen.

Antennensignale der Handys werden registriert

Die Messung erfolgt über Antennensignale von Smartphones, die streng anonymisiert und nach spätestens 20 Minuten außerhalb des Areals gelöscht werden. Das Verfahren ist nach Angaben der Betreiber DSGVO-konform.

Insgesamt sollen an 20 Standorten in der Innenstadt 40 Messgeräte installiert werden, bislang sind 26 Geräte aktiv. Neben den Besucherzahlen lassen sich auch Laufwege und Aufenthaltsdauern analysieren – „wir versprechen uns davon auch wichtige Erkenntnisse für das Stadtmarketing“, sagt Gerber.

Ariadne erfasst mithilfe einer patentierten Technik, die an der TU München entwickelt wurde, passive Signale von Handys. Dabei werden ausschließlich Signale der Mobilfunkantennen der Handys genutzt und über Multilateration, also über die Ankunftszeiten von Funksignalen an mehreren Messpunkten, die Standorte bestimmt. Auf diese Weise lässt sich zählen, wie viele Handys sich in einem Raum befinden, jedoch keine personenbezogenen Daten. Personen ohne Handy werden dabei zwar nicht erfasst, dieser Erhebungsfehler ist jedoch gering, da inzwischen nahezu alle Personen in Deutschland ein Smartphone besitzen.

Eine SAiL wie gemalt: So fällt die Bilanz aus

Mehr als 1,2 Millionen Besucher

Was war das für ein Spektakel?!  1,2 Millionen Besucher haben bis Samstagabend laut eines zur Messung von Touristenströmen maßgeschneiderten Analysesystems die SAiL 2025 in Bremerhaven besucht und genossen. Und das, ohne dass die Sicherheitskräfte auch nur einen einzigen herausragenden Einsatz fahren mussten. Die  Bremerhavener und ihre Gäste schienen nach zehn Jahren ohne SAiL regelrecht ausgehungert zu sein nach Windjammer-Romantik und der einzigartigen Atmosphäre.

Die Botschaft, die von dieser Veranstaltung ausgeht, ist weit mehr als fünf Tage Partystimmung. Sie war in Zeiten wachsender nationaler Egoismen ein überzeugendes Plädoyer für Völkerverständigung und ein friedliches, respektvolles Miteinander von Menschen aus aller Welt. Das hatte auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier registriert, der in seiner Eröffnungsrede aufrief, den Spirit von Bremerhaven weiterzutragen. „Lassen Sie uns dafür zusammenstehen! Nicht nur heute, sondern an allen Tagen.“

„Sie sehen einen überglücklichen Oberbürgermeister“, resümiert Bremerhavens OB Melf Grantz am Sonntag das Windjammer-Festival. „Ich kann nach zehn Jahren Pause voller Stolz sagen: Was für ein Comeback für die SAiL Bremerhaven! Wir haben fünf Tage erlebt, die neue Maßstäbe gesetzt haben.“

Stadtverordnetenvorsteher Torsten von Haaren bedankt sich bei den mehr als 800 freiwilligen Helfern, die die SAiL am Laufen gehalten hätten. „Ich bin dem Organisationskomitee unheimlich dankbar für die Arbeit, durch die sich beinahe alle Einrichtungen und Organisationen der Stadt an unserem einzigartigen Festival beteiligt haben.“

Vom Samstagabend überwältigt äußert sich der Geschäftsführer des Organisationskomitees, Dr. Ralf Meyer: „Geradezu sensationell war der Besuch zur Licht- und Lasershow und zum Feuerwerk. Das hat unsere kühnsten Erwartungen übertroffen mit etwa 80.000 Menschen am Deich.“

Der Geschäftsführer der Erlebnis Bremerhaven GmbH, Michael Gerber,betont: „Unser Sicherheitskonzept ist aufgegangen. Auch die Besucher haben uns dafür gelobt und gegenüber den Einsatzkräften immer wieder gesagt: Gut, dass ihr da seid. Das war für alle eine sehr schöne Erfahrung.“

Das Bühnenprogramm

Die Konzerte auf der Seebäderkaje wurden von rund 15.000 Menschen besucht. Ihren Spaß hatten dabei nicht nur die Besucher, sondern auch die Künstler selbst. Johannes Oerding sprintete während seines Auftritts auf die nebenan liegende „Dar Mlodziezy“, um einer völlig perplexen Besucherin eine spontan und in Echtzeit produzierte Ballade zu singen. Die No Angels waren von der Atmosphäre so begeistert, dass sie noch einen weiteren Tag privat auf der SAiL dranhängten. Auch die Kulturbühne im Alten Hafen mit Auftritten Bremerhavener Künstler und das begleitende Sportprogramm mauserten sich vom Geheimtipp zu einem echten Highlight.

Open Ship

Die großen Schiffe im Hafen wurden von den Besuchern geradezu überrannt. Vor vielen bildeten sich am Morgen schon bevor die Gangways freigegeben wurden lange Warteschlangen. Auf der „Gorch Fock“ wurden insgesamt 16.000 Besucher registriert, die Fregatte „Bayern“ meldete 11.000 Besucher. Vergleichbare Zahlen kamen auch von der „Shabab Oman“, der „Union“ und den anderen großen Staatsschiffen.

Der Seglerumzug

Der von Tausenden Schaulustigen umsäumte Umzug der Schiffsbesatzungen geriet zu einem Höhepunkt der Festveranstaltung. Rund 1.200 Crewmitglieder von 35 Schiffen und acht Musikkapellen marschierten vom Zolltor Rotersand durch die Innenstadt bis zum Theaterplatz, wo die Sieger des Sportprogramms ausgezeichnet wurden.

Das NEUS-Festival

Party-Location Nummer eins war das NEUS-Festival für elektronische Tanzmusik, wo insgesamt 50.000 Besucher gezählt wurden. Am Freitagabend herrschte dort ein derartiger Ansturm, dass aus Sicherheitsgründen keine weiteren Besucher mehr eingelassen wurden.

Die Charterschiffe

Die Nachfrage nach den Schiffsausflügen war generell rekordverdächtigt. Auf vielen Charterschiffen waren schon Monate zuvor keine Plätze mehr zu bekommen. Insgesamt wurden an den fünf Tagen 8.696 Gäste bei Ausfahrten mitgenommen.

Die Einlaufparade

Die Einlaufparade auf der Weser, angeführt von der „Alexander von Humboldt II“ und dem Segelschulschiff „Gorch Fock“, wurde bei strahlendem Sonnenschein von 45.000 Menschen auf den Deichen verfolgt. Bis zum Abend zog es allein am Eröffnungstag fast 200.000 Besucher auf das Veranstaltungsgelände. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eröffnete die SAiL als Schirmherr und stellte stolz fest, dass kein anderer Bundespräsident Bremerhaven zu offiziellen Anlässen so häufig besucht hat wie er – nämlich viermal.

Die Rettungskräfte

Nachdem lange Zeit bundesweit über zunehmende Respektlosigkeiten und tätliche Angriffe auf Rettungskräfte berichtet worden war, wurde dieser Negativtrend auf der SAiL ins Gegenteil verkehrt.  „Wir haben unheimlich viele positive Rückmeldungen von Besuchern, die uns gesagt haben, wie froh sie sind, dass wir hier präsent sind“, berichtet Bremerhavens Feuerwehrchef Jens Cordes. „Die Wertschätzung für unsere Einsatzkräfte war riesig.“

Polizeiliches Fazit

Die SAiL Bremerhaven 2025 ist aus polizeilicher Sicht friedlich und sehr ruhig verlaufen. Die vorliegenden Anzeigen sind unter veranstaltungstypischen Verstößen zusammenzufassen und bewegen sich im unteren zweistellgien Bereich. Zu nennen sind hier zum Beispiel einige Fahrraddiebstähle oder Körperverletzungen. Auf dem Wasser wurden gemessen an der Anzahl der Schiffe und Besucher ebenfalls nur wenige Einsätze registriert. Diese reichten von Schwimmern in der Weser bis hin zu drei Schiffsunfällen. 

Ein Schwerpunkt der polizeilichen Aufgabenwahrnehmung bestand in der Verfolgung von Verstößen gegen das Drohnenflugverbot über dem Veranstaltungsgelände. Insgesamt hat die Polizei etwa 40 Einsätze wahrgenommen. Dabei wurde eine hohe Anzahl nicht genehmigter Drohnenflüge festgestellt. Eine Vielzahl der Drohnenpiloten wurde identifiziert und die Fluggeräte sichergestellt.

Darüber hinaus stellten sich die Maßnahmen im Bereich des Verkehrs als ein weiterer Schwerpunkt heraus. Die Anreise der vielen Besucher führte aufgrund der zahlreichen Baustellen in und im Umfeld der Stadt zu Verkehrsstauungen auf der BAB 27, im niedersächsischen Umland und in der Stadt. Die Polizei hat in vielen Stellen regelnd in den Verkehrsfluss eingegriffen.

Die hohe Anzahl der vielen Besucher am Samstag führte die Einsatzkräfte in den Abendstunden zur Drohnenshow/zum Feuerwerk an die Grenze der Möglichkeiten. Aufgrund der guten Vorplanungen, der gemeinsamen Abstimmungen und des Ineinandergreifens der Maßnahmen aller Sicherheitskräfte konnte der hohe Besucherandrang ohne große Verletzungen und Auseinandersetzungen bewältigt werden. Letztlich haben hier auch die vielen Besucher:innen und Gäste aus aller Welt durch ihr ruhiges, respektvolles und rücksichtsvolles Verhalten dazu beigetragen, dass die Situation nicht eskalierte.

Die intensiven Vorbereitungen auf die Sail berücksichtigten die internationalen Entwicklungen und auch die Anschläge in Deutschland in den vergangenen Monaten. So mussten die polizeilichen Maßnahmen zu Wasser, zu Land und in der Luft geplant und umgesetzt werden. Die Polizei Bremerhaven wurde bei der Durchführung der Maßnahmen von Kräften aus Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Berlin, Baden-Württemberg und Hessen unterstützt.

Fazit der Feuerwehr

Die Feuerwehr Bremerhaven kann für die nichtpolizeiliche Gefahrenabwehr am insgesamt ein positives Fazit ziehen.

Das erste Ereignis war ein Schiffsbrand während der Einlaufparade. Dieser konnte durch die Einsatzkräfte der Feuerwehr Bremerhaven, Spezialkräfte der Schiffsbrandbekämpfungseinheit, die auf dem Tonnenleger „Nordergründe“ stationiert war, schnell gelöscht werden. Bereits hier zeigte es sich, dass die Einsatzkräfte durch die im Vorweg erstellte Einsatzplanung gut aufgestellt waren.

Die ersten zwei Tage zeichneten sich zudem durch die hohen Temperaturen aus, die zu diversen Einsätzen führten. Das Einsatzaufkommen war für eine Veranstaltung mit solchen Besucherzahlen insgesamt geringer als erwartet.

Bis Samstag wurden auf dem Veranstaltungsgelände 68 Notfalleinsätze, von denen 33 einen Transport in ein Krankenhaus erforderten, 158 Versorgungen durch die Fußstreifen und 136 Versorgungen in den Unfallhilfsstellen durch den Sanitätsdienst des Deutschen Roten Kreuz (DRK), unterstützt von der Johanniter Unfallhilfe (JUH) und dem Malteser Hilfsdienst (MHD) durchgeführt. Auch Einheiten des Rettungsdienst Bremen unterstützten vor Ort, um bei einer größeren Rettungsdienstlage handlungsfähig zu sein.

Von Seiten des Sanitätsdienstes ist als besonderer Moment der Seglerumzug am Freitag zu nennen. Als Schlusslicht der Parade wurde der begleitende Sanitätsdienst durch die Zuschauerinnen und Zuschauer mit La-Ola-Welle und positiven Zusprüchen eindrucksvoll gewürdigt. Für die Einsatzkräfte ein Gänsehautmoment, der die positive Stimmung der Besucherinnen und Besucher über die gesamte Veranstaltung zeigte.

Die technischen Hilfeleistungen wurden zum größten Teil durch das Technische Hilfswerk (THW) durchgeführt, in Summe waren es 47 Einsätze durch das THW und zwei Einsätze durch die Freiwillige Feuerwehr.

Die wasserseitige Absicherung des Veranstaltungsgeländes wurde durch die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) sichergestellt. Diese verzeichnete drei Wasserrettungseinsätze.

Durch die Freiwillige Feuerwehr wurde jeder Einsatz mittels einer Drohne begleitet. Dies erleichterte zum einen das Auffinden von Patienten, zum anderen konnte durch die Liveübertragung der Kamera und des Wärmebildes in der Technischen Einsatzleitung schnell die Situation eingeschätzt werden und mit weiteren Maßnahmen ergänzt werden.

Von Seiten des Brandschutzes waren drei Einsätze zu verzeichnen.

Ein Einsatz heute Mittag, ein Kleinbrand im Bereich des Kaiserhafens, ist ein gutes Beispiel für die Vorplanung und die gute Zusammenarbeit über die verschiedenen Organisationen hinweg. Gemeinsam mit den Löschfahrzeugen der Feuerwehr rückte auch das THW aus und stellte vom Boot aus die Wasserversorgung her. Die DLRG war mit ihrem Boot auf dem Weg, um die Einsatzkräfte vom Wasser aus abzusichern, während die Drohne ein erstes Lagebild in die Technische Einsatzleitung übermittelte.

Im sogenannten „ORGA-Dorf“ trafen sich die „Seestadtretter“ und die „Seestadtcops“ gemeinsam. Der Erfahrungsaustausch zwischen den Einsatzkräften war sehr rege und spiegelte sich in der sehr guten Zusammenarbeit der Einsatzkräfte wider. Insgesamt waren täglich rund 160 „Seestadtretter“ im Einsatz.

Tausende säumen die Straßen beim Seglerumzug

Besatzungen von 35 Schiffen feiern anschließend zusammen bei der Bordparty

Dudelsack, Drag Queen, Spielmannszug: Der Seglerumzug der Schiffscrews bei der SAiL Bremerhaven 2025 hatte Einiges zu bieten. Die Parade der Besatzungen aus aller Welt holte Tausende Zuschauer an die Strecke quer durch die Bremerhavener Innenstadt. Die fröhlich feiernden Menschen verdeutlichten, wofür die SAiL auch steht – für gelebte Völkerverständigung und internationale Freundschaft.


Der Seglerumzug bei der SAiL hat Tradition. Die ersten Zuschauer sicherten sich bereits Stunden vor dem Start ihren Platz an der Strecke zwischen Havenhostel und Theodor-Heuss-Platz. Viele warteten im Stehen auf die Parade, manch einer hatte sich einen Klappstuhl oder eine Wolldecke mitgebracht. Wer kein Sitzmöbel hatte, funktionierte Blumenkübel oder Tritthocker um.

Besatzungen von 35 Schiffen dabei
Der von der Polizei angeführte Umzug führte über 2,5 Kilometer die gesamte Bürgermeister-Smidt-Straße entlang, Besatzungsmitglieder von 35 Schiffen, 8 Musikgruppen und 7 Vereine nahmen teil – insgesamt rund 1.200 Menschen machten sich mit Flaggen, Trommeln und lauten Gesängen auf sich aufmerksam.

Bei der Bordparty wurde noch den ganzen Abend weitergefeiert
Im Anschluss wurden die Siegercrews der Trainee-Olympiade geehrt, die sich am Weserstrand im Volleyball und Tauziehen gemessen haben, beim Fußball und am Schießstand angetreten sind.

Und dann: Bordparty auf dem Platz, präsentiert von AIDA Cruises. Gefeiert wurde bis in die Nacht – auch das ist die SAiL.

16.000 Kilometer bis zur SAiL

 „Wir haben keine Zeit für Jetlag“, sagt Petra Hay (72) aus Australien. Zusammen mit ihrem Mann Mark (66) ist sie aus der 16.000 Kilometer entfernten Metropole Sydney zur SAiL 2025 in Bremerhaven angereist. Etwas mehr als 25 Stunden dauerte die Flugreise nach Deutschland. Die Eheleute sind riesige SAiL-Fans. Deswegen haben sie auch nicht einen Moment gezögert, die anstrengende Reise anzutreten. Weil Mark Hay viele Jahre als Flugbegleiter gearbeitet hat, kennt er die Strapazen. „Man gewöhnt sich ein bisschen daran“, sagt er.

2010 war Petra Hay zum ersten Mal beim größten Windjammerfestival an der Nordseeküste zu Gast. Das Bild, was ihr von damals in Erinnerung geblieben ist, war der bewegende Moment, wie die „Gorch Fock“ mit neuen, jungen Rekruten an Bord den Liegeplatz verließ und deren Eltern ihnen hinterher winkten. Das hatte bei ihr einen bleibenden Eindruck hinterlassen. „So etwas habe ich noch nie gesehen – so viele riesige und unterschiedliche Schiffe auf einmal“, sagt sie begeistert. Zu jener Zeit war sie zu Besuch bei einer Freundin, die sie auf das Festival aufmerksam gemacht hatte. „Ich bin dann dorthin und dachte‚ das ist ja wahnsinnig schön‘“, erzählt  sie. Sie hat den ganzen Tag am Hafen verbracht. Zuvor sei ihr die SAiL komplett unbekannt gewesen. Ein Foto zeigt sie 15 Jahre später vor dem berühmten Opernhaus in Sidney mit dem SAiL-Maskottchen „Jonathan“ und einem (abwaschbaren) SAiL-Tattoo am linken Unterarm – bestellt im Souvenir-Shop der Erlebnis Bremerhaven GmbH.

Petra Hay folgt in Australien der SAiL

Nachdem Petra Hay „Blut geleckt“ hatte, war schnell klar, dass es nicht bei diesem einen Besuch in Bremerhaven bleiben sollte. Auch 2020 war der Trip von Sidney bereits fest gebucht und die Vorfreude groß, bis die Corona-Pandemie ihnen einen Strich durch die Rechnung machte. Das Paar musste deswegen wie viele Andere weitere fünf Jahre warten. Petra Hay verpasste keine Nachricht aus Bremerhaven, sie folgt der SAiL bei Facebook und Instagram. Umso größer ist jetzt die Freude. „Wir sind endlich da“, sagt Petra zufrieden. Zu ihren Highlights gehören die älter aussehenden Schiffe wie die „Galeón Andalucía“, aber auch die „Gorch Fock“. „Ich war sehr happy, sie zu sehen – weil die ja auch immer in Hamburg war“, sagt sie.

Petra Hay ist in Finkenwerder, einem Stadtteil von Hamburg, geboren. 1973 ist die damals 20-Jährige nach Australien ausgewandert. Inzwischen lebt sie seit 52 Jahren dort. Doch die Verbindung nach Deutschland ist nie abgebrochen. Die SAiL ist ein Grund für einen Besuch, aber die Familie ist ebenso wichtig. „Wenn wir die Familie hier besuchen, dann zur Zeit der SAiL“, sagt die 72-Jährige. Auch nutzen sie die Zeit, um weitere Familienmitglieder außerhalb von Deutschland zu besuchen. Es geht unter anderem nach Manchester, wo ihr Sohn lebt.

Bis zum Winter in Europa unterwegs

Erst Anfang November kehren Petra und Mark Hay zurück nach Australien. „Wir fliegen wieder zurück, bevor es kalt wird“, sagt Petra Hay lachend. In der Vergangenheit sind die beiden schon mal länger geblieben, um die Weihnachtsmärkte mitzuerleben, die sie in Australien mitunter vermisst. „Manchmal sehe ich hier Gebäude, die älter sind als Australien“, stellt Ehemann Mark fest. Dafür punktet Australien mit wunderschönen Stränden. „Wenn man Australien und Deutschland vereinen könnte – das wäre schön“, sagen die Eheleute.

Die Begeisterung für Segelschiffe hat in der Familie eine lange Tradition. Im Jahr 1949 segelte Brian Hay, der Vater von Mark, mit der „Passat“ von Australien nach Europa. „Wir haben viele Fotos von der „Passat“ zu Hause, und mein Vater hat gerne davon erzählt“, sagt er. Es war die letzte Weizenregatta – ein Rennen, bei dem das Getreide so schnell wie möglich nach Europa gebracht werden sollte. Die Hays besitzen noch einen Zeitschriftenartikel aus dem Jahr 1949, der die Fahrt mit Bildern dokumentiert. Sie verlief über das Kap Hoorn bis nach England und dem Sieger winkten Ruhm und Ehre. Mit Brian Hay an Bord gewann die „Passat“ das letzte Rennen.

Die Brücke Dreibergen muss für den motorisierten Verkehr gesperrt und durch einen Neubau ersetzt werden.

Ab Montag, dem 18. August 2025, wird die im Wulsdorfer Ortsteil Dreibergen gelegene Brücke zwischen Buddestraße und Daimlerstraße für den motorisierten Verkehr vollständig gesperrt.

Fußgänger und Radfahrer können die Brücke vorerst weiterhin nutzen. Die Rampen der Brücke bleiben hingegen für alle Verkehrsteilnehmenden befahrbar.

„Grund für die Sperrung ist ein gravierender Bauschaden, der im Rahmen der Brückenhauptprüfung 2021 festgestellt und seitdem intensiv untersucht und beobachtet wurde“, erklärt Stadtrat Maximilian Charlet, Dezernent für den Baubereich, die drastische Maßnahme. Eine vertiefte Schadensanalyse habe jetzt ergeben, dass während des Baus in den 1960er-Jahren – aus ungeklärter Ursache und ohne Planvermerk – ein Kunststoffrohr in den Beton eingebaut wurde. Dieses Rohr habe über Jahrzehnte Wasser in den Bereich der vorgespannten Betonplatte geleitet und erhebliche Korrosionsschäden an der Bewehrung verursacht, so Charlet.

Die betroffenen Spannglieder sind nach Aussage der Experten zentral für die Tragfähigkeit des Bauwerks. Ihr Zustand ließe sich ohne zerstörende Eingriffe aber nicht zuverlässig überprüfen. „Auch wenn diese Entscheidung eine Einschränkung für die Verkehre im Stadtteil bedeutet: Sicherheit hat oberste Priorität. Daher haben wir uns diese Woche mit Blick auf das Alter der Brücke und vor dem Hintergrund vergleichbarer Schadensereignisse, wie den Einsturz der Dresdener Carolabrücke vor knapp einem Jahr, dazu entschieden, die Brücke aus Gründen der Verkehrssicherheit für alle Kraftfahrzeuge zu sperren“, so der Baudezernent, der aber betont, dass keine akute Gefahr für den Bahnverkehr oder beim Überqueren der Brücke besteht.

„Mein ausdrücklicher Dank gilt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Amtes für Straßen- und Brückenbau, welche vor Ort jeden Tag ihr Bestes geben, um unsere Brücken und Straßen mit begrenzten Haushaltsmitteln instand zu halten“, so Charlet.

Die Brücke Dreibergen – eine zweifeldrige Spannbetonbrücke mit einer Gesamtlänge von rund 30 Metern und einer Breite von 12 Metern – wurde ursprünglich 1913 durch die Bahn errichtet und von der Bahn 1963/64 im Zuge der Elektrifizierung erneuert. Seitdem befindet sie sich im Eigentum der Stadt Bremerhaven. Sie überführt die Straße Dreibergen über die dreigleisige Bahnstrecke Bremen–Bremerhaven-Seehafen.

Ein weiteres Ergebnis der vertieften Schadensanalyse ist, dass das Bauwerk als nicht mehr wirtschaftlich instandsetzungsfähig eingestuft wird und folglich durch einen Neubau ersetzt werden muss. „Die Vorbereitung der Vergabe der Planungsleistungen für den Abriss läuft bereits“, so Charlet. Der Rückbau des Überbaus sei für das Jahr 2026 vorgesehen, parallel beginne die Planung für den Ersatzneubau.

Aufgrund der komplexen Abstimmungen mit der Deutschen Bahn und der erforderlichen Sperrpausen im Bahnverkehr muss damit gerechnet werden, dass mindestens drei bis vier Jahre vergehen, bevor eine neue Brücke wieder für den motorisierten Verkehr freigegeben werden kann.

SAiL 2025: Natur-Kunstwerk „Beedabei“ Sonntag auf der Seebäderkaje

Aus 246 bienenfreundlichen bepflanzten Blumenkästen wird auf der Seebäderkaje ein Kunstwerk geformt – und anschließend verschenkt. Foto: Beedabei

Direkt neben dem Zoo am Meer wird zur SAiL 2025 ein Zeichen für den Artenschutz gesetzt. Das europaweite Kunst- und Umweltprojekt „Beedabei“ will dort mit 246 bienenfreundlich bepflanzten gelben Pflanzkästen ein Segelschiff aus Blumen formen. Die von dem Künstler Peter H. Kalb signierten Boxen werden anschließend an die Besucherinnen und Besucher verschenkt.

„Ein Kunstwerk, dass sich auflöst und überall in der Stadt auf Balkonen und in Gärten weiterblüht“, erläutert Mitinitiatorin Gisela M. Bartulec die Idee. Ihr Bestreben: Kunst und Natur zu einem Statement für Umweltschutz, Bienenfreundlichkeit und soziale Zusammenarbeit zu vereinen.

„Die SAiL Bremerhaven 2025 unterstützt Beedabei sehr gerne, unsere Besucher mit einem sonnengelben Blumenkasten und Bienenfutterpflanzen zu beschenken“, sagt Michael Gerber, Geschäftsführer der Erlebnis Bremerhaven GmbH. „Das Projekt gefällt uns als ausgezeichneter Standort für nachhaltigen und barrierefreien Tourismus schon deshalb, weil auch in unserer Nachbarschaft am Hafen Bienen zuhause sind und am Deich ihr Futter finden. Die Idee ist einfach toll, deshalb haben wir gerne zugesagt, bei der SAiL dabeizusein.“

Das Motiv: Natürlich ein Segelschiff

Das Projekt ist 2019 aus einem Ideenwettbewerb im Rahmen der Bewerbung Nürnbergs zur Europäischen Kulturhauptstadt hervorgegangen. Seither haben ähnliche Aktionen mit regionalen Motiven in zahlreichen deutschen Städten, in Luxemburg, der Ukraine und sogar in Äthiopien stattgefunden.  Bei der SAiL wird das Motiv des Segelschiffs aufgegriffen, der Bug wird durch einen Europastern geformt.  Bartulec: „Er steht für das gemeinsame Handeln über Landesgrenzen hinweg und erinnert daran, dass der Schutz von Bestäubern ein gesamteuropäisches Anliegen ist.“

Um die Wildbienen ist es wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge schlecht bestellt. Das, so die Naturschutzorganisation BUND, sei „das erschreckende Resultat von industrieller Landwirtschaft und Zersiedelung der Landschaft durch den Menschen“. Von den über 550 in Deutschland beheimateten Wildbienenarten sind laut Roter Liste mittlerweile 31 vom Aussterben bedroht, 197 gefährdet und 42 Arten stehen auf der Vorwarnliste.“  Auch der Einsatz von Pestiziden und der Klimawandel würden dazu beitragen, dass Bestäuber wie Bienen, Hummeln oder Schmetterlinge immer weniger Lebensraum finden.

Besucher können Pflanzkästen mit nach Hause nehmen

In Bremerhaven wird das Naturkunstwerk „Beedabei“ am finalen Tag der SAiL 2025, am Sonntag, 17. August, auf der Seebäderkaje aufgebaut. Ab 16.30 Uhr können die Bienenfutterstellen dann von den Besuchern mit nach Hause genommen werden.

Neuer SAiLfie-Point am Neuen Hafen wird dauerhaftes Fotomotiv

Bremerhaven bietet viele besondere Momente – und das nicht nur zur SAiL 2025: Am Neuen Hafen steht deshalb ab sofort der SAiLfie-Point #SAiL Bremerhaven als moderner Anziehungspunkt für alle, die ihre Erinnerungen in Szene setzen wollen. Der Schriftzug soll zum Treffpunkt werden für Selfies und Gruppenfotos von Besuchern – und zum Sinnbild für die Verbundenheit mit der Stadt.

„Selfies gehören heute einfach dazu“, sagt Oberbürgermeister Melf Grantz. „Sie sind Ausdruck von Momenten, die man festhalten und teilen möchte. Mit dem SAiLfie-Point schaffen wir einen Ort, der genau das möglich macht – in einer Umgebung, die für viele Menschen eng mit Bremerhaven verbunden ist.“


Fotopunkt hält die Atmosphäre der SAiL fest

Der neue Fotopunkt liegt ideal: Am nördlichen Ende des Neuen Hafens fällt der direkte Blick aufs Wasser und die Schiffe mit Klimahaus und dem  markanten Sail-City-Hochhaus im Hintergrund. Besonders zur SAiL 2025 wird der Schriftzug ein begehrtes Motiv sein – denn von hier lassen sich die Windjammer perfekt fotografieren.

Schriftzug ist abends beleuchtet

Die Konstruktion ist bewusst offen gehalten: Ein Gerüst bildet den Rahmen für den leuchtenden Schriftzug #SAiL Bremerhaven, der abends zum echten Hingucker wird. Dank wechselbarer Farben und Lichtakzente entsteht ein lebendiges Motiv, das sich bei Tag und Nacht unterschiedlich inszenieren lässt. Besucherinnen und Besucher können sich kreativ positionieren – und damit ihren ganz persönlichen Moment festhalten.

Ein neues Angebot für die Gäste

„Bremerhaven bekommt mit dem SAiLfie-Point ein neues Angebot für unsere Gäste“, so Stadtverordnetenvorsteher Torsten von Haaren. „Er zeigt: Wir können Tradition und Moderne verbinden. Und wir schaffen Orte, die Menschen berühren – und die sie mit anderen teilen möchten.“

Auch nach dem maritimen Großevent bleibt der SAiLfie-Point bestehen. Die Erlebnis Bremerhaven GmbH hat für den Fotospot bewusst auf ein dauerhaftes Element gesetzt. „Er ist so konstruiert, dass wir ihn auch versetzen können und das haben wir auch vor“, sagt Michael Gerber, Geschäftsführer der Erlebnis Bremerhaven GmbH.

Eine Einladung, sich mit Bremerhaven zu verbinden

Der Trend, sich an besonderen Orten mit Selfies zu verewigen, ist längst fester Bestandteil moderner Reiseroutinen. Ob #ILoveNY, der Eiffelturm oder ein Schriftzug – weltweit entstehen touristische Bildmotive, die Menschen zum Innehalten und Posieren einladen. Bremerhaven reiht sich mit dem SAiLfie-Point nun bewusst in diese Reihe ein – auf norddeutsche, maritime Art. Dr. Ralf Meyer, Geschäftsführer des SAiL-Organisationskomitees, und Leiter des Referats für Wirtschaft, Tourismus und Wissenschaft: „Der SAiLfie-Point ist mehr als nur ein Selfie-Spot. Er ist Einladung, sich mit unserer Seestadt zu verbinden – bildlich und emotional.“ Ein Stück Bremerhaven zum Mitnehmen, Teilen und Wiederkommen.

Italienisches Segelschulschiff „Corsaro II“ legt früh in Bremerhaven an

Der Wind stand günstig: Als eines der ersten Schiffe hat das italienische Segelschulschiff „Corsaro II“ schon am Sonntagabend von Esbjerg kommend im Neuen Hafen direkt neben der „Schulschiff Deutschland“ festgemacht. Eine Schönheit aus Mahagoni und Teak, die das Zeug hat, zu einem Besucherliebling der SAiL Bremerhaven 2025 zu werden.

Die „Corsaro II“ gehört zur italienischen Marine. Der elegante Zweimaster wurde 1960 von den renommierten New Yorker Yachtdesignern Sparkman & Stephens entworfen. Er ist 20,9 Meter lang und 4,7 Meter breit. „Das Schiff hat eine Seele“, sagt Kapitän Giuseppe Valente (45). „Es entscheidet selbst, wann es gut ist, in den Hafen zu fahren.“ In der Vergangenheit hat die „Corsaro II“ an prestigeträchtigen transozeanischen Rennen teilgenommen. „Früher war sie ein Ferrari“, sagt Valente stolz.

Erst im Oktober zurück im Heimathafen

Am 9. Mai ist das Schiff im Heimathafen La Spezia, Italien, gestartet. Danach ging es unter anderem über Barcelona, Vigo, Brest und Aberdeen bis nach Bremerhaven. Der Aufenthalt in der Seestadt soll genutzt werden, damit sich alle 15 Crewmitglieder nach der langen Reise ein wenig entspannen können. Denn nach der SAiL geht es direkt weiter nach Amsterdam, und bis Ende Oktober müssen sie zurück in Italien sein.

Hoffen auf einen „richtig guten deutschen Pub“

Neben Wartungsarbeiten stehen in Bremerhaven auch Ausflüge auf dem Plan. „Wir gehen wahrscheinlich ins Deutsche Schifffahrtsmuseum“, sagt einer der acht Kadetten, die zurzeit auf dem Schiff ausgebildet werden. Einige davon wollen in den Zoo am Meer. „Wir hoffen aber auch, einen richtig guten deutschen Pub zu finden“, so Valente.

Einer von acht Staatsgästen

Die „Corsaro II“ ist eines von acht Staatsschiffen, die zu Gast bei der SAiL sein werden. Der Zweimaster wird während des Festivals am Steg der Schiffergilde am südlichen Ende des Neuen Hafens liegen.

Der Crew bleibt Zeit für eine Stärkung

Auf dem Meer müssen laut Kapitän Valente nachts immer acht Personen wach bleiben. In Bremerhaven hingegen fällt die Nachtwache aus. „Hier kann sich die Crew in aller Ruhe stärken“, sagt der Capitano.  Dafür sorgt auch das richtige Essen. Am Montag auf dem Speiseplan: Pasta. 2,5 Kilogramm gab es für die 15 Crewmitglieder. Wie viel Pasta hat die Crew aus Italien an Bord? „Genug“, sagt ein junger Kadett mit einem Schmunzeln: „Tutto bene“ – hier läuft alles rund.

Veranstaltungsleiter der SAiL fuhr auf der „Gorch Fock“

Der Mann weiß wovon er spricht. Wenn die „Gorch Fock“ Bremerhaven zur SAiL 2025 anläuft, dann wird Michael Gerber als Veranstaltungsleiter des internationalen Windjammerfestivals gewissermaßen von der Vergangenheit eingeholt. Und von den Bildern, die sich ihm vor über 40 Jahren als jungen Wehrpflichtigen in das Gedächtnis eingraben haben: Unter Vollzeug durch die Biskaya, begleitet von einem Schwarm Delfine.

Ausguck auf der Back, der morgendliche Hängemattenapell, die Arbeiten als Toppgast im Fockmast des Segelschulschiffs, die Taufe „Wendekreis des Krebses“, die große Aufmerksamkeit, die man in seiner weißen Ausgehuniform von den Menschen in allen Hafenstädten erfahren hat – das ist es, was ihn noch heute beschäftigt.

Als Geschäftsführer der Erlebnis Bremerhaven GmbH ist Gerber schon längst zur Landratte geworden, doch während seiner neun Monate als Wehrdienstleistender hat er auf der „Gorch Fock“ ein feines Gefühl dafür entwickelt, was die Faszination vieler Menschen von den Windjammern ausmacht. Aber auch dafür, wie der oftmals harte Alltag hinter den schönen Bildern aussieht.

Mit Wurzelbürste und Scheuerpulver an Deck

Beim Hervorkramen der Devotionalien seiner jugendlichen Affäre mit der Segelschifffahrt wurde das alles wieder lebendig. Der nasskalte Januartag, als er 1984 in Kiel mit 20 Jahren zum ersten Mal das Deck der „Gorch Fock“ betrat. Eine Wurzelbürste und Scheuerpulver bekam er in die Hand gedrückt: als allererste Tätigkeit durfte er mit dem eisigen Wasser aus der Kieler Förde die Farbe an den Aufbauten „waschen“. Aber Gerber bewies schon bald ein Talent für die Arbeit in großer Höhe. Die Abwesenheit von Höhenangst verschaffte ihm die dafür nötige Sicherheit. „Als Toppsgast und Teil der Backboard I-Crew habe ich am Fockmast ausschließlich im Rigg gearbeitet“, erzählt er, „gerne in großer Höhe.“ Gesichert mit zwei Tampen an Karabinerhaken.

Crewaustausch mit der „Sagres II“

Und dann ging es im April 1984 los, von Kiel durch den Nord-Ostsee-Kanal nach Teneriffa, über den Atlantik in die Karibik zum Inselstaat Antigua, Richtung Norden nach Boston und Quebec. Von Quebec nach Sydney (Nova Scotia) hatte Gerber zusammen mit einigen Kameraden die Möglichkeit, im Rahmen eines Crewtausches eine knappe Woche auf der „Sagres II“ mitzusegeln. „Auf der, Gorch Fock‘ mussten wir in unseren Dienstschuhen peinlich genau darauf achten, mit den Hacken keine schwarzen Striche auf dem Deck zu hinterlassen. Auf der Sagres II haben sie an Deck Fußball gespielt.“ Das portugiesische Schwesterschiff der „Gorch Fock“ wird ebenfalls bei der SAiL zu Gast sein und im Neuen Hafen festmachen. Ein weiteres Dejá vu für den Erlebnis-Chef.

Beinahe wäre es ein Schmetterling geworden – als Tattoo

Gut vier Monate und 13.430 Seemeilen später lief die „Gorch Fock“ über Nova Scotia, Liverpool, Skagerrak und Kattegat wieder in den Heimathafen Kiel ein. Gerber hat in dieser Zeit die nicht unbedingt seemännischen, gleichwohl klassischen Erfahrungen einer langen Seefahrt gemacht. Zum Beispiel, wie man im Bordell in Antigua auch ohne Inanspruchnahme von Liebesdiensten noch ein paar Drinks bekam, wenn die Hotelbars schon lange geschlossen hatten. Beinahe hätte er sich sogar ein Tattoo stechen lassen, einen Schmetterling. Aufgrund der Teilnahme an einer Parade am letzten Tag stand für den Tätowierer am Ende nicht mehr genügend Zeit für das Motiv zur Verfügung.

Sänger der Bordband

Als Sänger der Bordband gehörte es für Gerber zur Routine, vor dem Auftritt noch eine filterlose Zigarette zu rauchen und einen Cognac zu kippen, damit die Stimme das richtige Timbre bekam. „Wir haben unter Deck zwischen Klorollen und Reinigungsmitteln geprobt“ berichtet er. Doch mit den klassischen Shanties habe die Band nichts am Hut gehabt. Stattdessen gehörten Stücke von Westernhagen zum Repertoire. „Mitten auf dem Atlantik ohne Wind ist die Crew froh über jede Abwechslung und wird zu einem dankbaren Publikum, das mitsingt und Spaß hat“, erinnert sich Gerber lachend.

Gerber: Die „Gorch Fock“ ist kein Feriencamp

Die schönen Erinnerungen und die Romantik sind eine Seite der Medaille. „Man darf aber nicht vergessen, dass das Segelschulschiff ,Gorch Fock‘ eine schwimmende militärische Einheit ist“, sagt Gerber. „Die Leute sind nicht alle aus freien Stücken dort. Das ist kein Feriencamp. Und angesichts fehlender Rückzugsmöglichkeiten, nach Dienstschluss das Schiff auf hoher See nicht verlassen zu können, kommt es auf engstem Raum auch zu allen Formen zwischenmenschlicher Auseinandersetzungen.“

„Hand gegen Koje“

Die See und die Segelschifffahrt ließen den gebürtigen Hamburger auch nach seiner Zeit bei der Marine nicht los. Als Student in Bayreuth (Wirtschafts-Geografie und Regional-Ökonomie) heuerte er während der Semesterferien nach dem Prinzip „Hand gegen Koje“ auf der „Thor Heyerdahl“ an. Er wirkte daran mit, dass Trainees des Schiffes an Bord Selbstständigkeit und Verantwortung für andere zu übernehmen lernen. Gerber lernte dort seine spätere Frau kennen.

Als Gastgeber des größten Windjammertreffens an der deutschen Nordseeküste ist solch eine Biografie natürlich schwer zu toppen. Und wer weiß? Vielleicht zieht es den Veranstaltungsleiter in den nächsten Tagen ja doch noch einmal nach ganz oben. In die Masten der „Gorch Fock“. Da wo alles begann.